| Trüffel im Einheitsbrei |
Im Sommer 2008 hatten Sie die Qual der Wahl aus den u.g. 16 nominierten Künstlern Ihren Favoriten zu wählen. Das Ergebnis kam einer Riesenüberraschung gleich! Von den Favoriten gelangte lediglich Denis Fischer aufs Treppchen, vor ihm auf dem zweiten Rang landete die ebenfalls sowohl als Sänger(in) und Schauspieler(in) arbeitende Elinor Lüdde. "Gold" ging an den Komiker Michael A. Tomis. 3 Jahre zuvor wählten Sie die Formation Katze aus rund 50 kulturellen Neu- oder Wiederentdeckungen der Kulturküche-Redaktion - bis Herbst 2009 sammeln wir nun wieder eifrig Ihre Vorschläge - und gewinnen können Sie dabei sogar auch noch. Jeden Monat neue tolle Geschenkpakete. Wichtig für Ihre Vorschläge: der oder die Künstler(in) dürfen nicht bereits für 2008 (s.u.) bzw. gar 2005 nominiert gewesen sein, was ja ohnedies dem Attribut Neuentdeckung widerspräche - Ihre Favoriten dürfen aber durchaus relativ populär sein, müssen dabei aber eben vor allem zu unserem Motto "Trüffel im Einheitsbrei" passen...
Mit einem Vorschlag für unsere nächsten Kulturtrüffel, per mail an trueffel@kulturkueche.de nehmen Sie automatisch an der jeweils aktuellen Monatsverlosung teil - der Rechtsweg ist wie bei allen schönen Spielen natürlich ausgeschlossen.
Bitte nicht wieder vorschlagen - Die Nominierten 2008
(zu den offiziellen Webheimaten der Künstler gelangen Sie durch einen Klick ins
jeweilige Bild)
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Zur Schauspielerei kam der Berliner Jacob Matschenz (1984) eher
zufällig: die Mutter soll ihm eine Casting-Ausschreibung gezeigt haben. Die
dort angebotene Rolle erhielt Jacob zwar nicht, wurde aber von Regisseur Jakob
Hilpert 2001 für dessen Diplomfilm "Kleine Kreise" engagiert. Seitdem spielt
der Autodidakt Hauptrollen in unterschiedlichsten Produktionen, wie
"Befreite Zone" (2003, Norbert Baumgarten), "Wholetrain" (2004, Florian Gaag),
"Das Lächeln der Tiefseefische" (2005, Till Endemann), "An der Grenze" (2007,
Urs Egger) oder "Die Welle" (2008 Dennis Gansel). In diesen Wochen starten
gleich zwei Filme mit ihm "Neandertal" (Ingo Haeb, Jan-Christoph Glaser) über
einen Jugend-lichen, der an Neurodermitis leidet, und "1. Mai - Helden bei der
Arbeit", in dem Matschenz als Krawalltourist aus der Provinz nach Berlin reist,
um für seine gestaute Wut ein Ventil zu finden.
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Wer meint, Bläser haben bei Rock-Bands nichts verloren, wird bei Kiemsa
eines Besseres belehrt: die siebenköpfige Gruppe spielt Punkrock mit Trombone
und Trompete, richtig laut und richtig kräftig. Die Jungs mit Wahnsinnsfrisuren
kommen aus Mayenne in Frankreich und sind in ihrer Heimat bereits seit dem Jahr
2000 unterwegs und dort eine feste Größe in der Musikszene mit ihrer wilden
Mischung aus Rock’n’Roll / Brass Core und Punk. Die Musiker - zwei Gitarren,
Bass, Schlagzeug, die bereits erwähnten Blasinstrumente und der kraftvolle Gesang - kamen im Januar
mit ihrem hierzulande nur als "Importware" erhältlichem feudalen Album
"Eaux Troubles" zum ersten mal auf eine längere Tournee und
bespielten in der Metropolregion den Roten Salon im Z-Bau mit einer unglaublichen Wucht
- oft
war auf der Bühne gar nicht genug Platz für diese Energieleistungen, und so musste
gar die Theke unter dem Sänger
ächzen. Da kann man nur zustimmen, wenn Kollegen - was natürlich als Kompliment
gemeint ist - schreiben: "Wenn
die sieben Messieurs rockin’ Brass-Sounds auf fette Riffs und harte Beats setzen,
hilft nur noch springen!"
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Eigentlich ist es eine kleine Frechheit, einen der mit dem Wien-Graz-Bamberger Künstlerkollektiv „monochrom“ die Biennale 2002 in São Paulo aufmischte, hier für eine Art Newcomerpreis vorzuschlagen, aber zum einen haben gleich mehrere Leser als es noch ein Wildcard-Plätzchen zu vergeben gab, seinen Namen genannt und zum anderen wollen wir ja auch kulturellen Wiederentdeckungen eine Chance geben, einen Kulturküchen-Trüffel zu erhalten. Und da Richard Wientzek erst unlängst mit einer großen Einzelausstellung unter dem Motto „Tagwerk“ in der Villa Dessauer glänzen durfte, ist er also dabei. Auch weil er den ländlichen Strukturwandel als ein übergeordnetes, ein globales Phänomen erkennt, das er gerne „Hirschaidisierung“ nenne.
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Traditionelle ländliche Sänger treffen auf Stadt-Musiker - Romamusik vermischt sich mit Technobeats. Shukar Collective heißt die Band bei der dies Beides zutrifft, die Jungs stammen aus Rumänien, ihr Electro-Dance-Projekt entstand 2003, als sich DJ Vasile und Dan Handrabur Roma-Lieder der Original-Shukar-Band anhörten. 2005 gab es bereits das bei Eastblok Music erschienene Debüt "Urban Gypsy", es folgte das alles über den Stil schon im Titel sagende "Rromatek". Wobei, das die rumänischen Lieder nicht nur von eklektischen Klängen, sondern auch mit Löffeln, Holzfässern, Geigen, Akkordeon, Bass und Roots-Vocals aufgemischt werden, also nicht nur Samples, Sequencer, Loops, Scratches, Plattenspieler und Beats zum Tragen kommen, sollte vielleicht explizit erwähnt werden. Auch mischt die sechsköpfige Band Stimmen bei, die in Hotelzimmern, Backstage oder während Jam-Sessions in Bussen aufgenommen wurden. Das Ergebnis klingt zwar bizarr und fremdartig aber unterm Strich traumhaft schön.
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Ihre Erwachsenencomics über fünf kleine wütende Mädchen werden nicht ohne Grund mit den Peanuts verglichen - vor allem wegen der niedlichen Zeichenart sowie ihrem formal einfachen in Wahrheit aber intelligenten (schwarzen) Humor. Bereits 1994 schuf Lela Lee (geb. 1974), ein koreanisches Einwandererkind in Los Angeles, das Video "Angry Little Asian Girl". Nach begeisterten Kritiken widmete sich die ehema-lige Schauspielerin ("Friends", "Scrubs" und "Will & Grace") fortan verstärkt dem Zeichnen. Ihre "Angry Little Girls" (mittlerweile auch in Deutschland bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen) sehen zawr niedlich aus, sind es aber ganz und gar nicht: Weder die leicht reizbare Asiatin Kim, noch die desillusionierte Prinzessin Deborah, die verrückte kleine Latina Maria mit ihrem Hang zum Spirituellen, die coole kleine Soulsister Wanda oder die schwermütige Xyla. In Lela Lees Comics reden sie nicht viel, und doch streifen sie Themen wie den Unterschied zwischen Katzen- und Hundemenschen, Frauenpower, das Leid in der Welt, besonders aber das eigene, den Drang, sich für alles zu entschuldigen, positives Denken und Streitkultur, Mutterliebe, unerreichbare Schönheitsideale, Psychosen und ganzheitliches Bewusstsein, das Leben an sich, Akzeptanz, Toleranz, Grenzen und Zurückweisung, Erwartungen und Enttäuschungen, Verständnis, Freundschaft und - natürlich - die Liebe.
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Perkalaba heißt nicht nur ein winziges Hutzul-Dorf in den Bergen der Karpaten in der Ukraine sondern auch die achtköpfige Formation, die diesen Ort "ihr musikalisches Zion" nennen. Sie vermischen alle Arten von Musik mit Punk und Ska und strotzen dabei schon auf CD vor Energie. Das ist aber überhaupt nichts im Vergleich mit ihren Live-Auftritten, wie sie unlängst auch wieder in Fürth unter Beweis stellten, als der charismatische Frontmann Fedot (Andrij Fedjotov) etwa mit Pelzmütze und offenen Mantel wie ein Sturzbesof-fener zum Mikro greift und "Gorrri" (Brenne) schreit. Er spielt mit dem Publikum, liefert zusammen mit seinen Bandmitgliedern eine echt verrückte Bühnenshow ab, und zieht seine warmen Klamotten langsam mit der steigenden Hitze aus. Die Musik ist von Anfang bis Ende extrem tanzbar, es gibt kaum Verschnaufpausen. Die Lieder sind auf Ukrainisch, wenn man die Sprache versteht, hat man natürlich noch mehr Spaß am schrägen Humor der Band. Perkalaba starteten ihre Karriere 1998 in der West-Ukraine und spielten zunächst in den dortigen Undergroundclubs Ska-Punk mit Roots-Reggae Einflüssen. Später entdeckte die Band ihre Wurzeln, die Hutzul Musik und wurde in ihrer Heimat damit zum Hit.
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"Kleine Kerze" heißt auf spanisch Candelilla und genauso auch eine Pflanze, von ihr haben die vier jungen Münchenerinnen 2003 ihren Bandnamen entliehen. Mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Bass ausgerüstet liefern sie seither Rockmusiknuancen, spielten zunächst in Jugendzentren, nahmen ihr erstes Demo auf. 2005 kam dann die Teilnahme am Münchner Sprungbrett-Wettbewerb, nur wenige Tage später wurden sie von der Band Slut als Vorgruppe eingeladen. Und sogar die "SZ" hatte schon 2005 auf München bezogen attestiert, dass es sich hier um die beste jüngste Band der Stadt handelte. Inzwischen sind drei Jahre vergangen, und Candelilla ist gewiss nicht schlechter, nur erwachsener. Eine Umformierung in der Bandbesetzung brachte auch Änderungen was den Musikstil anbetrifft. Das Ergebnis zeigt sich eindrucksvoll auf ihrer aktuellen EP "don´t rely on what other say" mit sechs Songs, ernste Poplieder, kräftiger Rock, zarte Melodien wechseln sich mit wütenden Schreien, Deutsch mit Englisch. Kein Hintergrundsgeplätscher, sondern "These, Antithese und der ganze pseudo-intellektuelle Kram", wie die jungen Frauen ihr Konzept selbst umschreiben.
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Wie der in letzter Zeit mit fast schon anrüchig vielen Preisen überhäufte Matthias Egersdörfer, dem er schon öfters bei der Nürnberg Comedy Lounge im Loft des Gostner Hoftheaters unter die Arme griff, ist Michael A. Tomis von Seitenhieben gegen Herrn "Sissi" Söder abgesehen zwar weniger in der politischen Ecke anzusiedeln, aber gute Unterhaltung bietet er dennoch: etwa wenn er Ex-Freundinnen die Pest an den Hals wünscht oder Theo Lingen, Heinz Erhardt und Inge Meysel als tattrige Kommissare auferstehen lässt. Aber auch im restlichen Teil seines besonders gern in der Roten Bühne dargebotenen Soloprogramms "Gestatten ich bin`s" bietet Michael A. Tomis "charmant-böse Comedy" und fragt sich unter anderem, wieso die meisten Menschen aus so wenig Mücken so unglaublich viele Elefanten machen. Kurzum: Mit Anfang 30 sei es für ihn an der Zeit "Bilanz zu ziehen und einigen seiner Mitmenschen die Quittung zu erteilen". Dass er dabei nicht nur heitere Reden schwingt, sondern sogar auch singt, macht das Ganze noch dazu richtig kurzweilig.
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Löwenmützen, grelle Masken, Batmanartige Umhänge, angemalte Gesichter, viel nacktes Fleisch und eine verrückte Rock-’n’-Roll-Elektro-Musik zum endlos Party feiern - Bonaparte heißt die bunte Truppe, die all das und noch viel, ja wirklich viel viel mehr vereint. Ihr Bandleader, der in seiner Schweizer Heimat unter bürgerlichem Namen Tobias Jundt auftrat und in verschiedensten Musikprojekten verwickelt war, bis er über den Umweg Barcelona in Berlin als Bonaparte auftauchte, wurde mit seiner Hedonistentruppe bereits von Regieaß Quentin Tarantino zur musikalischen Untermalung einer Privatparty eingeladen - und ist hierzulande dennoch eher in der Kategorie Geheimtipp anzusiedeln. "Too Much!", "Gigolo Vagabundo" oder "Anti, Anti!" heißen die extrem witzigen und live - wie im MUZ-Club unlängst eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde - schweißtreibenden Lieder. "Diese Musik konnte nicht in der Schweiz entstehen", so Bonaparte, "sie ist inspiriert von der Großstadt, von endlos feiernden, extrovertierten Menschen, von denen es in Berlin eben eine ganze Menge gibt." Mittlerweile gibt es die erste CD, man sollte sich die Mischung aus Musik und Clownaeske aber unbedingt auch auf der Bühne ansehen - oder demnächst beim Nürnberger Brückenfestival...
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Mit acht Jahren stand Constantin von Jascheroff (Jahrgang 1986) bereits vor der Kamera. Seine erste Auszeichnung - Förderpreis Deutscher Film als Bester Darsteller - holte er für seine Rolle in Martin Hochhäuslers "Falscher Bekenner", als Jugendlicher ohne Freunde und ohne Rückhalt von der Familie, der nach dem Realschul-abschluss auf Wunsch seiner Eltern täglich eine Bewerbung schreiben muss, für Jobs, die ihn nicht interessieren. Als er nachts auf einen Autounfall stößt, nimmt er ein Trümmerteil an sich und verfasst ein Bekennerschreiben, damit endlich jemand auf ihn aufmerksam wird. In 25 Filmen hat der Sohn von Mario von Jascheroff (die deutsche Synchronstimme von Micky Maus), der sich auch schon als Synchronsprecher (u. a. deutsche Stimme von Jake Lloyd - Anakin Skywalker - bei Star Wars Episode I) und als Sänger versuchte, bereits mitgespielt. Meist als verschlossener Junge, auch in "Jagdhunde", einem Streifen über aufkeimende Liebe und zerrüttete Familienbeziehungen.
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Der 56jährige Anatoli Suchanow, Herausgeber und Chefkritiker einer führenden sowjetischen Kunstzeitschrift und Schwiegersohn des be-deutendsten Malers des Regimes, ist ein angesehener Apparatschik. Am Zenit seiner Kariere allerdings gleiten ihm erst unmerklich, dann im rasanten Tempo die Zügel aus der Hand. Die Tür zu Suchanows vergessen geglaubter Seele mit all den Abgründen tut sich auf und katapultiert ihn in sein frühes Leben, als er als junger Maler, in den 50er Jahren während der Chruschtschow-Zeit in den Untergrund engagiert und voller Verachtung für die kommunistische Kunstdoktrin war. "Suchanow verkauft seine Seele" heißt der 2007 im Claassen Verlag erschienene Erstlingsroman von Olga Grushin, einer 1971 in Moskau geborenen Russin, die ihre Kindheit in Prag verbracht hatte, wohin ihre Familie aus Protest gegen das Breschnew-Regime gezogen war. 1989 übersiedelte sie mit Hilfe eines Universitätsstipendiums nach Amerika und wurde 2002 US-Bürgerin. Ihr Roman spielt im Russland von 1985, also genau während den Anfängen von Perestroika und Glasnost. Wie die Bilder der Surrealisten, so erscheint auch ihr Buch: zunehmend und höchst spannend vermischen sich Wirklichkeit und Traum sowie Gegenwart und Vergangenheit.
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In ihrem Langfilmdebüt "Meer is nich" spielt die 24jährige Elinor Lüdde ein Mädchen, das kurz vor dem Schulabschluss steht und anscheinend keinen blassen Schimmer hat, was sie mit ihrem Leben machen soll - außer sich nicht anpassen oder gar fremd bestimmen lassen. Neben der authentisch und unprätentiös erzählten Geschichte über das Erwachsenwerden, ist es vor allem die Schauspielleistung von Lüdde, die fesselt. Ihr Gesicht wirkt wie ein offenes Buch. Sie scheint nicht groß eine Rolle zu spielen - sie lässt vielmehr vergess-en, dass die Figur der Lena im Detail eine erfundene ist: mit ihrer bockigen Art, wenn sie sich durchsetzen will, mit ihrem zarten Lächeln, wenn sie sich verliebt hat, mit ihrer Willenskraft, wenn sie bis zum Umfallen trommelt, oder mit ihrer Verständnislosigkeit und Wut, wenn der Vater über ihren Kopf hinweg ein Vorstellungsgespräch für sie vereinbart. Im realen Leben spielt die junge Frau, wie ihre Figur auch, Schlagzeug bei der Formation "sleazy inc."
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Wenn die Ska-Band Russkaja einen Club wie vor einigen Monaten in der Metropolregion den der MUZ in der Fürther Strasse ansteuert, behält man lieber nur das Allernotwendigste am Körper, denn es wird richtig heiß! Angeführt von einem Bandleader von imposanter Statur und mit tiefer starker Stimme, reißt die siebenköpfige Gruppe - ein ungarisch-britisch-österreichischer Drummer, eine deutsche Geigerin mit höchst russischem Namen, ein ukrainischer Bassist namens „Miller“, zwei Bläser, die österreichischer nicht heißen und sein könnten und ein Gitarrist, der aus einer Musikerfamilie stammt, die so mit Wien verbunden ist, dass sie schon bald in Reiseführern stehen müsste - die Zuhörer in Ekstase. Die russischen Texte, ab und an garniert mit englischen oder deutschen Sätzen, brauchen keine Überset-zung. Am Ende schreien auch die Fremdsprachenunbegabtesten auf Russisch mit. Mit ihrem ersten Album „Kasatchok Superstar“ hat es die Formation vom Wiener Geheimtipp zur Crossover-Kultgruppe gebracht.
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In seiner Wahlheimat Berlin machte Denis Fischer schon vor rund zweieinhalb Jahren als Musiker von sich Reden. Dennoch ist er bundesweit leider noch nicht annähernd so bekannt, wie es sein riesiges Bühnenpotential verdient hätte. Mit seinen "Death Songs" etwa bot er herzschmerzgute wie wohlig schaurige Interpretationen von Nick Cave, Elvis Costello, Willi de Ville, Meat Loaf, Sonny und Cher und vielen anderen. Der nur von Ignoranten als "kleiner Bruder" von Tim Fischer Bezeichnete, begnügte sich aber nicht mit Todessehnsüchten und -ängsten von Berühmtheiten; ein Viertel seiner "Death Songs" stammt musikalisch und textlich aus eigener Feder. Nicht minder sehens- und hörenswert ist seine Hommage an Harald Juhnke. "Barfuss oder Lackschuh" - den Erkennungssong des 2005 verstorbenen Entertainers - hatte Fischer vor langer Zeit von seinem Bruder auf gutem, alten Vinyl geschenkt bekommen und sah sich seitdem als Fan. Rund zwei Monate nach dem Tod Juhnkes brachte der junge Bremer mit norddeutschen Charme eine Hommage an das personifizierte "Ich weiß ich hab Mist gebaut, aber ihr liebt mich doch trotzdem"-Motto auf die Bühne - ohne zu imitieren oder gar bloß zu persiflieren. Auch Fischers aktuelles Album "Devil In Disguise" (Roofmusik) ist eine absolute Entdeckung.
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Dass Russland, speziell aber die umtriebige Szene in St. Petersburg, während der letzten Jahre wieder einige überaus interessante Musiker hervorgebracht hat, dürfte sich herumgesprochen haben. Iva Nova, gegründet 2002 und trotz einiger Gastspiele hierzulande noch relativ unbekannt, gehört zweifellos dazu. Vielmehr: die junge 5-köpfige Frauenband zählt zu Recht zu den größten musikalischen Entdeckungen der Post-Sowjet-Ära. Mit ihrer originellen Mischung aus Ska, Art-Rock, slawischer Folklore und einem gehörigen Schuss Punk bot die "Girlband" etwa auch bei ihrem Gig im Nürnberger Z-Bau im Sommer 2007 wunderbar frische Musik - treibende Sounds, die sofort in die Beine gehen. Zum Abtanzen und Mitfeiern liefern Iva Nova namentlich frenetische Schlagzeugeinlagen, schmutzige Gitarren, kräftige Bässe, sensible aber souveräne Gesangseinlagen und den Sound eines jazzigen Akkordeons. Der Rolling Stone, zugegebenermaßen "nur" der russische, urteilte: "Iva Nova ist die coolste Frauenband Russlands." Und ein niederländischen Radiosender sprach gar von den "russischen Pogues". Wer aber gern in musikalischen genreschubladen denkt, dem bieten wir folgende zwei Schlagworte an: Speedfolk und Extrem-Ethno.
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Allein schon auf CD - das Album "Circuit Songs" erschien in der ersten Jahreshälfte 2007 beim Elektronik-Label "Jazzland" - zieht einen die norwegische Lyrikerin, Songwriterin und Jazzsängerin Live Maria Roggen, die bisher vor allem mit der Formation Come Shine von sich reden machte, unweigerlich in ihren Bann. Doch was die gute Frau mit ihren männlichen Mitstreitern im vergangenen Novem-ber im ambitionierten Jazzstudio bot, war schlichtweg phänomenal. Uns spätestens seither weiß jeder, der dabei sein durfte bei dieser Sternstunde des Jazz, warum die Menschen in ihrer Heimat Norwegen diese Künstlerin, die beim Molde Jazzfest mit Pat Metheny auf der Bühne stand und an der Musikakademie in Oslo ebenso wie am Jazzkonservatorium in Trondheim unterrichtet, schon seit gut zehn Jahren als Interpretin - übrigens auch von brasilianischer oder afrikanischer Musik - schätzen.