| Buch - 10.08.2010 |
Für die meisten ist das Leben eine Wundertüte. Und wie das mit Wundertüten so ist: Die einen sind immer enttäuscht, weil doch wieder bloß unnützes Zeug drin war und die anderen freuen sich über die bunten nutzlosen Kleinigkeiten wie Kinder. Bernhard ist von der einen Sorte, Marc von der anderen. Und beide wurden genau wie Felix, Zoe und die anderen von Edgar Rai erfunden, bei dem die fetten Jahre ziemlich sicher noch lange nicht vorbei sind.
Felix hat geerbt. Ein Haus. Am Strand. In Frankreich. Und das, obwohl er es sich doch gerade so schön eingerichtet hat in seinem Bauwagen, mit seinem Kater, der ihm zugelaufen ist und mit dem Wachmann, der einmal täglich auf ein Bierchen oder zwei vorbeikommt und das Gelände inspiziert. Doch dann lässt er sich doch dazu hinreißen, gemeinsam mit seinen Kumpels Bernhard und Marc auf Reisen zu gehen. In Marcs altem Bus machen sich die drei grundverschiedenen Typen auf den Weg zum Erbe und picken unterwegs erst Lilith, dann Zoe und zuguterletzt noch Jeanne auf.
Die Fahrt wird zum Seelenstriptease, zum Abenteuerurlaub und zum Krimi. Wobei es dem Autor durchgehend gelingt, den Leser bei der Stange zu halten, zu fesseln und zu überraschen. Mit viel Humor und der notwendigen Portion Leichtigkeit begleitet Edgar Rai seine Protagonisten auf der Reise zu sich selbst. Und damit auf der Reise zu Onkel Hugos Haus, das bereits ein anderer für sich in Anspruch nimmt. Der Vater des ‚Glücklichen‘, den dieser von Herzen hasst. Wobei er sich nicht mal so wirklich sicher ist, ob dieser Typ tatsächlich sein Vater ist. Die Zweifel daran hegt er schon lange. Denn da ist noch Onkel Hugo, der ihm, als er sechs Jahre alt war, beibrachte, wie man Papierflieger faltet und diesen ersten Papierflieger sogar sein Leben lang aufbewahrt hat. Onkel Hugo ist so ganz anders als sein Vater und vielleicht gerade deswegen lässt er sich Jahr für Jahr auf eine Partie Schach mit ihm ein.
Was anfangs wie ein netter Nebenschauplatz wirkt, gewinnt im Laufe der Geschichte immer mehr an Bedeutung. Genau wie die Phrase, die auch den Titel bildet: Nächsten Sommer. Denn sie steht als Metapher für all die Dinge im Leben, die man sich nie traut, die man vielleicht einfach auch nicht machen will oder aus denen sowieso nie was wird. All die verlorenen Gelegenheiten, die man entweder ewig betrauern oder einfach nachholen kann.
Simone Blaß