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| Buch - 05.12.2011 |
Sergey Chilikov: Werke 1978
Ein heruntergekommener Holzschuppen, davor herumliegende Holzbretter, kaputte
Röhren, teilweise ausgedorrte Pflanzen. In der Mitte eine alte gekippte
Badewanne, an deren Rändern sich ein nackter weiblicher Körper festzuhalten
versucht. Das andere Schwarz-Weiß-Foto daneben zeigt die gleiche Badewanne in
einem Raum, diesmal voll mit Holzstücken, auf denen ein nackter Mensch liegt.
„Aus der Serie Kuriose Begebenheiten“ nennt Sergey Chilikov seine Aufnahmen
Anfang der 80er Jahre. Aus dem Jahr 2003 stammt die farbige Aufnahme einer
Küche: nackte Glühbirnen, ein Eimer auf dem alten Gasherd, abbröckelnder
Putz. Vier Frauen ab 60 und älter hocken dort in Pose gebracht. Sergey
Chilikov (1953) studierte erst Philosophie, bevor er 1976 mit der Fotografie
begann. Von 1980 bis 1989 organisierte er Fotoausstellungen in Russland. Er
galt als „Amateur“, weil er nicht für offizielle Massenmedien arbeitete.
Dadurch wurden er und andere Quereinsteiger nicht durch einen vorgegebenen
Rahmen eingeschränkt und konnten so die Möglichkeiten abseits der
parteikonformen Kunst entdecken. Chilikov begann Gegenstände und Menschen in
Szene zu setzen. Auf den ersten Blick ist alles real: Dorfbewohner, ihre
Häuser, Wohnungen von innen. Dann aber fällt auf, dass etwas nicht stimmt:
Die Posen sind nicht natürlich, alles scheint gestellt. So haben viele dieser
knapp 200 Aufnahmen im Bildband etwas Skurriles, leicht Ironisches an sich.
(Red.)