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| Neu im Kino - 06.12.2011 |
Michel Petrucchiani
Er war einer der besten und faszinierendsten Jazz-Musiker der letzten 40
Jahre. 1999 – kurz nach seinem 36. Geburtstag – starb er und hatte doch mehr
mitgemacht als so mancher Greis. „Leben gegen die Zeit“ heißt auch der
Untertitel des Films von Michael Radford (erster Regieerfolg mit der Adaption
von Orwells „1984“) über den Franzosen, der mit Glasknochen geboren worden
war, weswegen er kaum größer als ein Meter wurde. Bereits mit drei Jahren kam
er mit den Werken des Jazz-Gitarristen Wes Montgomery in Berührung. Sozusagen
seine Initiierung in Sachen Musik. Michel lernte extrem schnell Klavier
spielen – da der Junge wegen seines Handicaps nicht in die Schule ging,
verbrachte er die meiste Zeit mit dem Instrument. Sein erstes offi zielles
Konzert gab er mit 13, fünf Jahre später übersiedelte er in die USA, traf und
spielte unter anderem mit Charles Lloyd, Dizzy Gillespie, Charlie Haden,
Stéphane Grappelli, Jim Hall und Wayne Shorter. Er probierte alles aus, was
ihm das Leben neben weltweit ausverkauft en Konzerten so bot: Drogen,
wechselnde Liebschaften ... – eben ein Leben wie auf der Überholspur.
Freunde, Lebensgefährtinnen, Kollegen und auch der mit der gleichen Krankheit
geborene Sohn erinnern sich ohne jedweden Pathos an den stets sehr vital
wirkenden Mann, der überwiegend im Arm getragen wurde, weil seine Beine durch
zu viele Brüche den Körper kaum tragen konnten. Sie beschreiben keineswegs
nur Petrucchianis Ausnahmetalent oder seine Spieltechnik, die tatsächlich
unnachahmlich war, sondern vor allem auch den Menschen – mit all seinen
Stärken und Schwächen. Absolut sehenswert!
(Oliver Renn)