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Advent 2009 - 21. Türchen - Geschenketest

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Hundertprozent hochprozentig

Man muss nicht unbedingt ein Chemiker sein, um auf dem heimischen Küchentisch Wasser zu destillieren, Kräuterextrakte herzustellen oder gar ein paar Tröpfchen Hochprozentiges zusammenzubrauen. Für Letzteres kommt man mit dem Gesetz nicht als Schwarzbrenner in Konflikt, wenn man eine sogenannte Destillationsappa-ratur für das Wohnzimmer nutzt, die wir für Sie getestet haben, um Weinbrand zu brennen.

Ein Thermometer, ein Verdampfkolben, ein Kühler, ein Glastrichter, eine Spirituslampe und ein Stativ - alles in relativ handlicher Ausfüh-rung, so dass die Destillierapparatur auch in aufgebautem Zustand selbst auf kleinste Küchenklapptische passt. Theoretisch klingt alles ganz einfach: Der Kühler wird mit einer Stativklammer am Stab festgemacht und mit kaltem Wasser befüllt. Im nächsten Schritt soll der Verdampfkolben befestigt werden, so dass sein Arm waagrecht, wenn nicht etwas geneigt, dicht am Kühler anschließt. Dann sollte eigentlich unter dem Kühler noch ein Glas "unserer Wahl" Platz finden, wie die Gebrauchsanweisung verspricht, wir mussten aber echt lange suchen, bis wir allerkleinste Schnapsgläschen gefunden haben, die dort halbwegs problemlos darunter passten. Mit dem Trichter füllt man dann Weiß- oder Rotwein bis zur Hälfte in den Kolben, und steckt noch das Thermometer auf die Dichtung. In die Glaslampe kommt Spiritus - wir hatten Bioalkohol zur Hand –, der Docht wird angezündet und unter den Kolben gestellt. Die Hexenküche kann beginnen. Nach etwa einer viertel Stunde sind die ersten Tröpfchen im Glas zu sehen, die man aber wegkippen sollte, da sie gesundheitsschädliche Stoffe, wie z.B. Methylalkohol, enthalten könnten. Danach kommt schlussendlich trinkbarer Branntwein. Die Temperatur darf allerdings 90º C nicht übersteigen, denn was dann heraustropft - der Nachlauf in der Fachsprache - hat einen geringen Alkoholanteil und gleichzeitig höher siedende Fuselöle. So mussten wir immer wieder den Brenner wegnehmen, den Kolbeninhalt ein paar Grad abkühlen lassen, dann wieder den Brenner drunter stellen - ein ziemlich nerviges Hin und Her. Was noch mehr stresste, war das alles andere als stabile Gestell der Destille, mit etwas Zeit machte sich der Kühler kaum merkbar selbständig, aber weit genug, um einige Alkoholdämpfe heraus zulassen. So musste er in der Folge mit der Hand festgehalten werden, denn die Klemme ließ sich in der Folge nicht mehr gut zuschrauben, wie überhaupt die gesamte Apparatur einen eher wackligen Eindruck hinterließ. Das Produkt macht insgesamt den Eindruck, dass hier an allen Ecken und Enden gespart werden musste - nicht einmal eine Kappe um nach Beendigung der Arbeiten bequem die Flamme der Spirituslampe zu löschen ist hier inkludiert.

Kommen wir aber zum eigentlichen Ergebnis der Spielereien mit Feuer und Alkohol: denn natürlich wurde gleich probiert, der Geschmack des Destillats war ganz passabel, es brannte schön die Kehle runter. Eine Stunde für zwei winzige Gläschen war aber auch eine recht lange Zeit, im Prinzip aber verschmerzbar, wenn man nicht wie erwähnt wegen der 90° ständig mit der Spirituslampe herummachen müsste. Die Destillierapparatur für's Wohnzimmer ist mit Sicherheit aber ein Partygag für diejenigen, die gerne Weinbrand trinken. Die Qualität des Selbstgebrannten kann man nicht mit professionellen Produkten vergleichen, je nach der Qualität des Weins variiert der Geschmack. Man kann sowohl mit Weiß- oder Rotwein, bzw. auch mit Portwein experimentieren. Leider ist der Kolbenhals zu schmal, um Früchte hinein zu tun, es sei denn man macht diese quasi zu Püree. Aber ehrlich gesagt bremste uns hier auch der Gedanke ans Säubern beispielsweise Himbeer- oder Walnussschnaps herzustellen, was bei reinen Flüssigkeiten um auch etwas richtig Positives über diese Apparatur zu sagen, ansonsten erfreulich leicht von der Hand geht. Man kann aber übrigens auch Kräuterextrakte durch Alkoholdes-tillation zaubern. Oder auch ganz profan sauberes Wasser herstellen. Für diejenigen, die Angst haben, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen: die Destille verfügt über eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 Abs.2 Branntweinmonopolgesetz, erteilt durch den Bundesfinanzminister.

FAZIT: Mit der Destillationsapparatur für das Wohnzimmer wendet sich chemoline.de nicht nur an Chemotechniker oder beispielsweise Chemielaboranten, sondern explizit auch an interessierte Laien. Allerdings wird Menschen mit geringem oder gar keinem chemisches Wissen über das Destillieren keinerlei Hilfe etwa in Form von Anregungen, Rezepten oder sonstigen Tipps sei es in der Gebrauchsanweisung oder auf der Seite des Herstellers zur Verfügung gestellt. Für ein über 120 Euro teures Produkt neben den vorgenannten Kritikpunkten recht ärgerlich.

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Red.

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