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Kulturtrüffel 2009 - 7. Kandidat

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Austesten von Grenzen

Die vollen Lippen, die großen braunen Augen, die einen neugierig anblicken: Ludwig Treptes Gesichtszüge sind weich. Er ist dem Chorknaben immer noch ähnlich, den der gebürtige Berliner bereits mit zwölf Jahren im Tatort "Bienzle und der heimliche Zeuge" spielte. Sein Gesicht ist eines, das die Herzen erobert - und so oft mitten hinein sticht.

Szenenfoto aus "Ein Teil von mir" © defa-spektrum (Peter Steuger)

Immer dann, wenn es zum Spiegel für die Seelen seiner Charaktere wird, wenn er die Verletzungen oder die Einsamkeit der so unterschiedlichen Jungs, die er bereits gespielt hat, sichtbar und fühlbar macht. "Mich reizt es, mich in Figuren hinein zu graben," so beschreibt der 21-Jährige sein Spiel, "in einer Rolle aufzugehen."

Hinein gegraben hat er sich zum Beispiel in Thomas, seine erste größere Rolle, im Spielfilm "Kombat Sechzehn", der 2005 für den First Steps Award nominiert war. Thomas, der Cliquenführer der Rechten in Frankfurt/Oder, der sich durch den Tag schlägt und trinkt, aber nicht dumm ist. "Thomas ist ein Machttyp, das war für mich die Herausforderung." Ganz ähnlich erging es ihm mit der Rolle des Adam aus "Sieben Tage Sonntag", der auf einer Party aus der Trostlosigkeit des Abends heraus mit seiner Clique eine Wette abschließt: Er wird einen Menschen töten.

Mit großer Leidenschaft versetzte er sich auch in Paul, seine zweite Hauptrolle im Spielfilm "Keller", für die er auf dem 27. Max Ophüls Filmfestival 2006 mit dem Preis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde. Die Jury überzeugte nicht nur die "für sein Alter ungewöhnlich große Sicherheit in der Wahl der schauspielerischen Mittel" von Ludwig Trepte, der bisher keine Schauspielausbildung gemacht hat. Bemerkenswert hielt die Jury auch sein Vermögen, "die Spannung zwischen moralischem Bewusstsein und der jugendlichen Faszination am Austesten von Grenzen glaubhaft und konsequent zu vermitteln"; seine "subtile Körpersprache" und die "hohe Sensibilität für die innere Zerrissenheit der Figur."

Es sind jedoch nicht nur brüchige Charaktere, die ihn reizen, Rollen, die in einem sozial schwierigen Umfeld angesiedelt sind, sondern Figuren, die eine Entwicklung durchleben, zuletzt in Christoph Röhls einfühlsamen Film "Ein Teil von mir" zeigt er eine weitere Facette seines Talents. Er spielt einen zurückhaltenden, liebenswürdigen und sich aus der Verantwortung für sein Kind stehlenden sehr jungen Mann, der ungewollt und überraschend Vater geworden ist und so gar nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Zuvor wirkte er unter anderem in dem ZDF-Zweiteiler "Auf immer und ewig und einen Tag", an der Seite von Henry Hübchen und im Fernsehfilm "Das Sternengeheimnis" an der Seite von Ulrich Mühe. Im Kinofilm "Schwesterherz", Heike Makatschs Drehbuch-Debüt, war er ebenso auf der Leinwand zu sehen, wie im Episodenfilm "1. Mai – Helden bei der Arbeit". Danach drehte er in Köln einen "Schimanski" und fand es einfach großartig an der Seite von Götz George arbeiten zu dürfen.

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