| Kulturtrüffel 2009 - 8. Kandidat |
In Friederike Jehns ersten abendfüllenden Spielfilm "Weitertanzen" heiratet eine junge Frau und wird während des Festes von Selbstzweifeln geplagt. Vier frühere Kurzfilme - "Schlüsselkinder" (u.a mit Tom Schilling), "Fliehendes Land" (u.a. mit Jacob Matschenz), "Weihnachten auf Eis" bzw. ihr Beitrag in dem Omnibusprojekt "Nichts weiter als" -, die wir für Sie in Augenschein nehmen konnten, sind ebenfalls absolut sehenswert und drehen sich zudem auch allesamt mehr oder minder um familiäre Probleme: von Geschwisterliebe bis hin zum Fremdkörperfeeling in der Pubertät.
![]() |
Friederike Jehn (geboren 1977 in Fulda) absolvierte nach dem Abitur 1997 Praktika bei Filmproduktionsfirmen in Köln.
Von 1997 bis 1999 studierte sie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
und Germanistik an der Universität zu Köln, bevor sie 1999 das Studium
im Bereich Regie und Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg
in Ludwigsburg begann. Im Sommer 2004 absolvierte sie die UCLA Masterclass,
„The Hollywood-Experience“ in Los Angeles, Kalifornien.
Im Frühjahr 2005 erhielt sie für ihren Spielfilm „Fliehendes Land“ ihren
Diplomabschluss in dem
Fachbereich „szenische Regie“.
Seit 2005 lebt sie in Berlin und arbeitet als freie Regisseurin und Autorin.
Im Sommer 2008 erhielt sie ein
Stipendium des DAAD.
Über ihren aktuellen Kinofilm "Weitertanzen":
Maren (Marie-Christine Friedrich) und Arno (Barnaby Metschurat) sind recht
frisch verliebt und glücklich. Eines Tages macht Arno ihr einen
Heiratsantrag, sie stimmt gleich zu und beginnt doch nur wenig später, ihre
Entschei-dung bzw. Arnos Gefühle ihr gegenüber immer stärker zu hinterfragen,
ohne freilich mit ihrem Zukünftigen darüber zu sprechen. Ein großes Fest wird
dennoch entsprechend vorbereitet. Viele Gäste kommen, die meisten sind
Verwandte, Freunde und Kollegen von Arno. Von Maren ist kaum jemand da, außer
ihrer Mutter (Ingrid Cavan), die Alkoholprobleme zu haben scheint und auch
sonst etwas kapriziös daher kommt; eine Freundin, die meint, diese Hochzeit
sehe aus wie ein Begräbnis; und dann ist plötzlich auch noch ihr Ex Peter (Stipe
Erceg) vor Ort, den jedoch keiner eingeladen hat und der bis kurz vor ihrem "großen
Tag" mit Arno offenkundig lange von der Bildfläche verschwunden war.
Auch jener Peter glaubt nicht an Marens Glück, die tatsächlich nicht zwischen
all die recht spießigen Typen und Tennishäschen in Arnos Alter und erst recht
nicht in deren ihr alles andere als wohl gesonnen gegenübertretenden Familie
zu passen scheint. Und so fordert ihr Ex zu einer Wette heraus: spätestens
zur Nachspeise werde sie die Segel streichen. Sein Auto stehe für eine
spontane Flucht jedenfalls zur Verfügung. Verunsichert hört die junge Braut
im hübschen weißen Hochzeitskleid hier und da auch Worte von Arnos Freunden,
die sie noch unsicherer machen, und als sie merkt, dass es ihr nicht mehr
gelingt alle Zweifel in die Luft zu schlagen, klammert sie sich demonstrativ
an Arno, der von den Gefühlsschwankungen seiner Frau nicht viel wahrnimmt, beziehungsweise diese nicht verstehen kann...
Weitertanzen heißt das gelungene, unterhaltsame und durchaus ambitionierte
Kinodebüt von Friederike Jehn, zu dem sie auch das Drehbuch
schrieb. Eine durchweg gut gespielte Geschichte über eine Frau, die ihr Glück
festzuhalten versucht, während es ihr zwischen den Finger zerrinnt. Jehn
entwickelt hier einen regelrechten Sog der Ängste, der Maren heimsucht, und durch
den sie durch muss, um ihre Gefühle klarer einordnen zu können. Und da dies
auch nicht geradlinig verläuft bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten, ob
dieses Märchen vielleicht doch noch gut ausgehen kann.
zurück zum bzw. weiter zum Geschenketest des Tages - einfach auf den LINK klicken ;-)
PS: Unsere Vorstellungen der Trüffel-Aspiranten beruhen teils auf PR-Materialien ihrer Promoter.