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Kulturtrüffel 2009 - 12. Kandidat

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In Umbruchzeiten menschlich bleiben

Ron Flieger ist ein Enthusiast. Ein Konsequenter. Ein Sucher, aber auch ein Finder. Er ist getrieben von der Idee, dass Musik etwas auslösen kann. Dass sie Bilder erzeugen, Anregung schaffen, Impulse setzen kann. Deshalb macht er Musik und vieles darüber hinaus: Aus der Überzeugung, dass Musik mehr ist als die Summe ihrer kompositorischen Teile.

copyright: michael mann

Ein entscheidender Punkt dabei: die Reflexion der eigenen Kunst. Es reicht nicht, einen guten Song zu
schreiben – da muss mehr sein, wie auch immer dieses ‚mehr’ definiert ist. Ein Überbau aus Bedeu-tung, Tiefe, Herz, Seele und Kopf, der berührt, einnimmt und etwas aussagt - Und so titelte der
Musikexpress jüngst zum aktuellen Album „Gib Mir Etwas Woran Ich Mich“: „Wofür Coldplay zig
Millionen Dollar, Brian Eno und drei lange Jahre gebraucht haben, das schüttelt sich der Wahlbayer
einfach so aus dem Ärmel, ... und was der Endzwanziger allein in Sachen Lyrik abliefert, ist
grandios.“ Ein Album übrigens, das unter anderem davon erzählt, wie man auch in schwierigen Zeiten seine menschlichen Züge bewahrt und aufrecht durchs Leben geht.

Wie kommt man an diesen Punkt? „Mir gelingt die Technik der Vogelperspektive gut; ich kann meine Arbeit bewusst aus einer distanzierten Ebene sehen und sie dadurch auch anders bewerten. Diese Technik habe ich über die Arbeit mit anderen Künstlern perfektioniert, und wenn man sie einmal beherrscht, kann man sie auch sehr gut auf seine eigenen Sachen anwenden. Zumal ich insgesamt einfach sehr kritisch bin.“ Am Ende seiner Arbeit steht ein Substrat seiner Unternehmungen, denn „man muss in der Lage sein, seine eigenen Ideen auch auf den Kern reduzieren zu können. Erst dann kommt man auf den Punkt.“

Dabei ist er zumeist im Clinch mit sich selber. Denn er schreibt nicht nur alle Songs und Texte selber, nimmt sie auf und produziert sie, er spielt auch gleich alle Instrumente. Warum? „Das kommt vor allem daher, dass es mir so viel Spaß macht. Die Frage der Umsetzung ist einfach sehr schnell und direkt, wenn man das selber macht, und es kommt der Musik zugute, weil so innerhalb von Stunden etwas entstehen kann, das dann im Grunde bereits fertig ist. Zumal ich eine Idee immer exakt dann aufnehme, wenn sie da ist, und nicht nach einem vorgegebenen Zeitraster. Gute künstlerische Momente entstehen bei mir aus einer Laune heraus, und das ist zeitlich eben schlecht zu kontrollieren, deswegen ist das so für mich die beste Form der Umsetzung.“

Nachdem das nunmehr zwei Jahre alte Debüt „Anders wohl kaum“ größtenteils auf der Gitarre entstand, hat er das Feld der kreativen Erzeugung erweitert: Erstmals ist seine Musik sowohl auf dem Klavier als auch auf der Gitarre geschrieben worden. Darüber hinaus gibt es auch Songs, die rein elektronisch am Computer entstanden, wo sich zu einer Textidee zunächst ein paar Beats gesellten anstelle von Akkorden. „Wenn eine Songidee erst mal steht, spiele ich die anderen Instrumente, die im Kopf bereits fertig sind, ziemlich schnell ein, und das Grundgerüst steht. Dann beginnt das Tüfteln.“ Und das kann viel Zeit in Anspruch nehmen, denn in Rons Musik steckt viel Detail, Überlegung und die Suche nach dem passenden Winkel.

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PS: Unsere Vorstellungen der Trüffel-Aspiranten beruhen teils auf PR-Materialien ihrer Promoter.