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Kulturtrüffel 2009 - 13. Kandidat

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Wider den Klischees zum Thema Pornoindustrie

Jens Hoffmann sammelte erste Erfahrungen in der Filmbranche in den frühen 90er Jahren. Sein erstes Projekt war eine Doku über die Sportart, die er damals selbst ausübte: Hochalpines Skifahren. Seine Ausflüge zu abgelegenen Bergregionen machten es schwer einen geeigneten Kameramann zu finden, der überhaupt in der Lage war, sich an die entsprechenden Kamerapositionen zu begeben. Kurzerhand wurde Geld in eine 16mm Kamera investiert und Jens übernahm die Kameraarbeit selbst. Nominiert ist er aber primär für einen ganz anderen Film:

copyright: michael mann

Der San Fernando Valley in L.A. gilt als wichtigster Ort für die US-amerikanische Unterhaltungsindustrie für Erwachsenenfilme. Milliarden von Dollar werden in dieser Branche verdient, mehr als in der Musikindustrie. In den Staaten geben die Menschen pro Jahr angeblich mehr Geld für Pornos aus als für Theater, Kino, Museen, Sport und sonstigen kulturellen Institutionen zusammen. Gleichzeitig haben pornografische Bilderwelten lang Einzug in die Mainstream-Kultur von Mode, Film, Literatur und Musik gehalten. Man spricht von "Porno-Schick". Nur über jene, die am Erfolg der Branche maßgeblich beteiligt sind, spricht man kaum - da gibt es nur recht klischeehafte Vorstellungen. Regisseur Hoffmann hat deshalb eineinhalb Jahre diverse Darsteller, Regisseure, Produzenten und Agenten mit der Kamera begleitet und mit 9to5 – Days in Porn eine äußerst spannende Doku abgeliefert. So portraitiert er die kahlköpfige Belladonna, eine wahrhaft sexy wirkende Darstellerin, Ehefrau, Mutter und mehrfache AVN Award–Gewinnerin, dem Oscar der Pornoindustrie oder auch Sasha Grey, die es nach eigener Aussage kaum erwarten konnte volljährig zu werden, um im Pornogeschäft mitmischen zu dürfen. Die inzwischen 21jährige wurde von Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh für die Hauptrolle in der Komödie "The Girlfriend Experience" über den Alltag eines Luxus-Callgirls in New York engagiert. Zu Wort kommt auch ein Agent, der die Pornobranche in und auswendig kennt und verschiedene Mädchen betreut, um sie an den Mann, in dem Fall zu den nächsten Hardcore-Aufnahmen zu bringen. Interviewt wurde neben einem auch als Darsteller fungierenden Produzenten darüber hinaus noch eine ehemalige Pornodarstellerin, die Ärztin geworden ist und sich darum kümmert, dass jene Frauen und Männer die aktuell vor der Kamera agieren, sich auch regelmäßigen Gesundheitskontrollen unterziehen und sich generell nicht allein gelassen fühlen. Obwohl Hoffmann sehr nah am Geschehen ist, oft auch am Rande der Porno-Sets drehen durfte, kommt sein Film keine Sekunde voyeuristisch daher. Seine Protagonisten erzählen von ihren Träumen, wie sie zum Porno kamen und wie sie zu den Schattenseiten der Branche stehen und auch davon, was sie eigentlich nicht so gern tun.

Hoffmann  zu der Arbeit an diesem Projekt: "Ich bin sehr stolz darauf, den Film nach 5 Jahren endlich fertig gestellt zu haben und darauf, wie er geworden ist. Mir ist bewusst, dass das Thema als Gegenstand eines Dokumentarfilms mit den gleichen Klischees zu kämpfen hat wie die Pornoindustrie selbst. Aber nach umfassenden Recherchen und der Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir festgestellt, dass es so einen Film noch nicht gibt. Ohnehin schauen die wenigsten über den Tellerrand der gängigen Stereotypen hinaus. Meine Inspiration für die visuelle Umsetzung habe ich von Fotografen wie Larry Sultan und Stefano De Luigi bekommen. Deswegen haben wir auch bewusst auf 16 mm Film und nur ergänzend auf HD-Video gedreht, um den Film auch visuell auf eine andere Ebene zu heben. Zusätzlich wollte ich den Vorteil der bewegten Bilder gegenüber der Fotografie nutzen, um die Geschichten von unterschiedlichen Figuren der Pornoindustrie zu erzählen. Mir ging es darum, herauszufinden, wie ihr Leben funktioniert und wie es sich über einen bestimmten Zeitraum verändert. Nur die natürliche Entwicklung von Personen ermöglicht einem eine gewisse neutrale und nicht beeinflussbare Sicht. Es wurde nicht inszeniert oder ‚reenacted’ und versucht, das Situative hervor zu heben. Dieser Film ist so authentisch wie möglich, in dem Versuch diese Welt wirklich widerzuspiegeln, über die wir augenschein-lich so viel wissen, nie aber einen richtigen Blick auf die Menschen werfen, die in ihr arbeiten."

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