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Nicht mehr so zu tun als ob

Jacob Brass ist ein sturer Kopf. Einer, der weiß, was er will. Und was er kann. Ein Singer/Songwriter mit einer klaren Vision. Halbherzigkeit kommt bei so einem nicht in Frage. Seit Jacob Brass (24) Musik macht, also eigentlich sein ganzes Leben lang, darf er sich anhören, wie viel Talent er doch hätte. Dass er tolle Songs schreibt. Dass ihm Texte aus der Feder fließen, die den Begriff Lyrik nicht zu scheuen brauchen. Und sicher mehr als ein Mal, dass er wahnsinnig wäre, eine Karriere als Musiker anzustreben.

copyright: michael mann

Stichwort: schwere Zeiten. Stichwort: Geldverdie-nen, Vernünftigsein, Überdierundenkommen. Jacob Brass hat sich weder von dem einen noch von dem anderen den Kopf verdrehen lassen, er hat sich die Zeit genommen, die er gebraucht hat, um das Album zu machen, von dem er seit Jahren träumt. Stichwort: Vision. Stichwort: Unbeirrbarkeit, Stur-heit, Selbstvertrauen. Und das schönste dabei ist: Wer Jacob je auf einer Bühne gesehen hat, weiß, dass nichts ihm fremder wäre als Verbissenheit oder Arroganz. Wer so klar weiß, wo er steht und warum er da steht, der braucht nicht mehr so zu tun als ob. Der macht nun einfach seine Musik, und seine Zuhörer fragen sich, wie so ein reifer Künstler einfach so aus dem Nichts kommen konnte.

Natürlich kommt Jacob Brass nicht aus dem Nichts. Er wuchs in einer sehr musikalischen Familie in einem Dorf nahe München auf, sein Vater Nikolaus ist ein preisgekrönter Komponist der modernen Klassik, Jacob und seine Geschwister lernen Blockflöte, Geige und Cello. Popmusik allerdings ist nicht gern gesehen im Hause Brass - die muss Jacob sich selbst erschließen. 2007 nimmt er am „Popkurs“ in Hamburg teil, um sich zu wappnen für die große Aufgabe, der er sich verschrieben hat. Die Professoren Peter Weihe und Anselm Kluge erkennen sein Talent und schlagen ihn für das Förderprojekt „Gewächshaus“ der Bertram Pohl-Foundation vor. Brass ist einer der ersten, der deren Jury überzeugen kann und steht im Jahr 2008 plötzlich mit einem üppigen Produktionsbudget da für das Album, das er schon immer machen wollte. Mit Produzent Peter Seifert alias Jem, der sich durch seine Arbeit mit Acts wie Madsen und Udo Lindenberg einen Namen gemacht hat, nimmt er elf Songs auf und schreibt mit Steve Sidwell, der schon für Künstler wie Robbie Williams und die Pet Shop Boys gearbeitet hat, Streicherarrangements. Und dann reist Jacob Brass nach England, um seine Arrangements vom London Session Orchestra in die Tat umsetzen zu lassen - in den heiligen Hallen der Abbey Road Studios.

Und nun steht Jacob Brass nach getaner Arbeit da: Mit einem Album, das ein ehrliches Spiegelbild einer sensiblen Seele ist, das wahrhaftig und bewegend offen von den Sorgen, Zweifeln und Leidenschaften eines jungen Lebens erzählt, das so voll ist von Erfahrungen, die ausgedrückt werden wollen. Im Titelsong „A Stubborn Child“ (ein stures Kind) zum Beispiel setzt sich Jacob Brass mit dem frühen Tod seiner eigenen Mutter auseinander - und man hat selten eine zu Herzen gehendere Beschäftigung mit dem eigenen Schicksal zu hören bekommen.

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