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Bühne - 05.02.2012

Baumfäller-Nazis und handzahme Pussys

Wer sich fragt, wie eine solche Überschrift mit einem derzeit im Estrel Festival Center in Berlin aufgeführten, vorgeblichen Familienmusical zusammenpasst, hat mutmaßlich noch nichts von "Bennet's Abenteuer beginnt..."; gehört, geschweige denn gesehen.

Versprochen wird in den Programmankündigungen zur neuen „Radio Teddy“ Produktion eine „spannende Geschichte über den jungen Helden Bennet mit mitreißender Musik, Tanz, Artistik und Live-Gesang“, kurzum „ein ganz besonderes Musical für die ganze Familie“. „Über 30 Mitwirkende“ sollen „das Stück zu einem ganz besonderen Spektakel!“ machen. Ganz abgesehen davon, dass letztlich insgesamt genau 14 Menschen ins Rampenlicht treten, die es weder verstehen den richtigen Ton anzuschlagen geschweige denn nachhaltig mitzureißen, sind auch die anderen Versprechungen nichts als Schall und Rauch – vor allem jenes mit der Artistik. Wobei: das mit dem Live-„Gesang“ immerhin stimmt.

Am Premierensonntag fühlten sich denn auch von den weit mehr als 100 anwesenden Kindern bis zum - verzeihlich bei der jungen Primärzielgruppe - vorhersehbaren und auch leicht hingebogenen Ende keine fünfzehn auch nur ansatzweise zum „Mitmachen“ animiert. Stimmung funktioniert eben nun mal nicht auf Knopfdruck. Und so scheitert die lieblos herunter geleierte Geschichte, die von einem Berliner Teenager erzählt, der mit den Waldbewohnern (sic!) von Wolfsruh - namentlich einem Raben, einem verfressenen Hasen und unsinnigerweise einer eingebildeten, sonst aber stinknormalen Hauskatze - gut Freund ist und auch sonst gerne im Einklang mit der Natur leben möchte, bereits in den Anfangsminuten. Dann nämlich als, weil eines der Tiere gerade Geburtstag hat (den Hundertsten gar und so um Rheuma vorzubeugen u.a. ein Regencape geschenkt bekommt), von einer Sekunde zur anderen Party angesagt sein soll. Da können sich die acht Tänzerinnen noch so sehr mit ihren Luftballons und ihren Hüpf- und Klatschorgien mühen.

Irritierend für viele Besucher war bereits zuvor, dass die Menschen, die die drei wichtigsten Tierfiguren bekleiden, äußerlich kaum „aufgemotzt“ erscheinen. Dass der in der Geschichte als großer Puddingfreund dastehende Hase leicht rundlich ist, passt da noch am Besten. Dass die „von und zu“ Katze mit französischem Akzent kokettiert – soll letztlich einer der kleineren Langeweiler sein. Denn richtig schlimm wird es wenn Witzchen gerissen, gereimt oder gar Anspruch behauptet wird. Etwa wenn die Schöpfungsgeschichte adaptiert wird, in der - immerhin – erst einmal von Menschenaffen als Vorläufer der heutigen Humanoiden die Rede ist, aber eben mit Vorschlaghammermethode „betont“ wird, wie sehr der Mensch die Natur als Ganzes schon geschädigt hat und noch weiter bedroht. Und da naht es dann auch schon – das personifizierte Böse und Bennets Widerpart: Raffaela Raffzahn die dem Vernehmen nach irgendetwas mit der Wallstreet zu tun – auch eine Anspielung auf ein wo auch immer angesiedeltes „ZK“ wird den Kids, denen man hier ansonsten gefühlt alle siebeneinhalb Minuten ein „cool“ um die Ohren haut, angeboten - hat mit ihrem in naziuniformähnlicher Kostümierung steckenden General und dessen zwischen derbem Gleichschrittgestampfe und versuchtem Rammsteintanz schwankender Umweltkiller- aka Abholzer-Armee.

Irgendwann zwischen Auftreten des Problems und seiner Beseitigung mittels süßer Verführung dürfen Hase und Katze so tun, als ob sie nicht doch am liebsten ein Liebespaar sein würden, und Letztere unter anderem von Lady Gaga schwadronieren, SMSe schreiben und gar davon singen, dass „jede richtige Frau Miau Miau Miau“ macht. Ein wirkliches Highlight gibt es denn aber auch in den 2 x rund 45 Minuten („also so viel wie ein Fußballspiel“) mit 20 Minuten Pause: als der Hase gefühlsmäßig am Tiefpunkt ist gibt es eine afrikanisch angehauchte Waldgeisterszene. Ansonsten kann gerade noch das Auflaufen von „Tieren aus aller Welt“ mit ihren kleinen Tanzeinlagen unmittelbar nach der Pause als ansatzweise gelungen durchgehen.

(Red.)