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Kulturtipps 01.-14. Februar 2010

Kubanische Rumbas und ein toller Spinner aus Berlin

Drei Termine sollten Sie in den nächsten Tagen keinesfalls versäumen: das Gastspiel von Max Raabe und seinem Palastorchester in der Nürnberger Meistersingerhalle; einen Abend mit einem außergewöhnlichen Spider-Man im Burgtheater der gleichen Stadt und den Auftritt von Bodo Wartke in der Konzerthalle in Bamberg. Unser "Geheimtipp" für die ersten vierzehn Tage im Februar indes geht im E-Werk in Erlangen über die Bühne - was laut der offiziellen Website der Jungs um die es sich dabei dreht, vermeintlich in "United Kingdom" liegt.

Max Raabe gastiert mit seinem Palastorchester in der Meistersingerhalle in Nürnberg.  Foto: Promo

Frack, authentisch gegelte Frisur, steife Körperhaltung und trockener Humor mit einem immer etwas gelangweilt wirkenden Gesichtsausdruck – auf der Bühne ist Max Raabe schlichtweg unvergleichbar in seinem Erscheinungsbild. Keiner bringt mehr oder weniger bekannte Schlager aus den 20er und 30er Jahren besser, witziger und sehenswerter zur Geltung als der staatlich geprüfte Opernsänger mit der raffinierten Stimme.  

Seine Interpretation von altehrwürdigen Foxtrotts, Tangos und anderer musikalischer Sahnestückchen sowie lustige Eigenkompositionen oder Anleihen bei Charterfolgen der letzten 15 Jahre - etwa bei Britney Spears - sind immer wieder ein Ohrenschmaus. Daher die frohe Kunde: der gepflegte Meister des Palastorchesters gastiert  am 04. Februar in der Nürnberger Meistersingerhalle.

"Chansons" singe er nicht, nein. Nicht einmal "Lieder". Nur Schlaaager. Auch werde er das Publikum nicht mit einer stringenten Handlung langweilen. Der Abend hier, so Max Raabe, der 1992 mit "Kein Schwein ruft mich an" seinen ersten Hit hatte und seitdem mit seinem Orchester untrennbar mit der heutigen deutschen Musikszene verbunden ist, wie seinerzeit die "Comedian Harmonists" mit der ihren, gehöre ausschließlich der Musik. Wenn der staatlich geprüfte Bariton mit dem äußerst spielwütigen, zwölfköpfigen Palast Orchester die Bühne betritt, darf natürlich auch sein "technischer Trick, die Stimme vorne zu halten", also das rollende "R" nicht fehlen. Seit mehr als 20 Jahren schon zelebrieren sie die Songs der 20er und 30er Jahre auf der Bühne. Mal unverschämt lakonisch, oft ungemein lyrisch - und wenn parodistisch, so doch immer auch ein großes Bisschen liebevoll.

Fragt man den Absolventen der Hochschule der Künste Berlin, wieso er sich eigentlich für diese Musik entschieden hat, fallen ihm stets als erstes die Begriffe "Stilistik und Eleganz" ein. Schlicht und ergreifend bewundere er die Komponisten, die auf kleinem Raum – "so ein Stück dauert ja nur drei, vier Minuten" – präzise und "potente kleine Opern" geschaffen haben. Und in der Tat lassen sich in vielen raffinierte Harmoniefolgen und spannungsreiche Modulationen entdecken. Und wie man es nach seinen beiden Popplatten gewohnt ist, bei denen er Britney Spears und auch manche One-Hit-Wonder in den Stil der 20er packt, darf bei all den Original-Schlagern und dem Operetten-Gesangsgut sowie Jazzigem auch eine Swing-Version von Tom Jones "Sex Bomb" nicht fehlen. Raabe dazu: "Normalerweise macht man das etwas fetziger. Wir hingegen entzahnen. Das finden wir komisch."

Exzellent sind übrigens nicht nur die Art und die Weise, wie der Sänger und sein Orchester die Lieder interpretieren. Auch die Zwischenmoderationen, die etwa bei einer Suche nach interessanten Frauennamen unweigerlich bei Brünhilde landen muss, sind ausgesprochen famos und stilvoll. Und für alle die am ersten Donnerstag im Februar keine Zeit haben in Nürnberg vorbeizuschauen oder bei den derzeitigen Schneemeassen einfach partout nicht aus dem Haus raus wollen: die Edition "Heute Nacht oder nie" mit zwei DVDs und einer CD entstammt einem rundum gelungenen Konzert aus dem Admiral Palast in Berlin und ist eine wirkliche Empfehlung wert.

Wer es durchgehender lustiger mag ist sicher gut beraten am 09. Februar Bodo Wartkes Achillesversen-Programm in der in der Bamberger Konzerthalle zu lauschen. Denn die Kunde vom Dilemma des Vampirs, der seine Liebste stets an seine Blutsucht verliert, das Stolpern über die Hinterlassenschaften der Berliner Fauna auf dem Trottoir, das Verliebtsein in die Tochter eines Schönheitschirurgen oder die Zusammenhänge zwischen Schiller und der GEZ sind dem Vernehmen nach keine Sekunde weniger unterhaltsam als Wartkes auch auf DVD vorliegendes Programm "Noah war ein Archetyp".Richtig anarchisch ist der Mann leider nicht, aber doch allemal deutlich über dem bundesweiten Comediandurchschnitt anzusiedeln. Neben dem vollständigen Live-Mitschnitt eines Auftritts mit Spezialgästen in Schmidts Tivoli 2008 finden sich auf besagter DVD etwa auch tolle Interviews und Musikvideos von Bodos Freunden vom GlasBlasSing Quintett. Im Mittelpunkt aber Geschichten wie sie das Leben schreibt: Ob Probleme mit dem PC, die Suche nach dem unschlagbaren Argument, mit der Angebeteten die Nacht zu verbringen oder etwa den Zauber des perfekten Moments...

Der Wortakrobat Andreas „Spider“ Krenzke indes, der am 12. Februar im Nürnberger Burgtheater auftritt und nur vordergründig auf lebendige Kleidungsstücke und Drehkreuze in Supermärkten fokussiert, geht gar noch einen Tick lakonischer mit Wissenschaft, Philosophie und Politik ins Gericht, wie nicht zuletzt seine äußerst empfehlenswerte jüngste CD/Buch-Veröffentlichung "Imbiss wie damals" beweist: Der Berliner Surfpoet mit der wunderbaren Beobachtungsgabe schreibt generell Geschichten über den so genannten kleinen Mann, hat spannende Ideen, wie man sein Geld für sich arbeiten lassen kann, aber vor allem eine recht gehörige Portion trockenen Humor.

Womit wir auch schon zu unserem "Geheimtipp" für die erste Februarhälfte kommen: Auch wenn es 1:1 Werbesprech ist, es trifft zu: "Der typisch britische Sound von Good Shoes, kombiniert mit dem jugendlich-unbeschwerten Songwriting von Sänger Rhys Jones macht sie zu einer der aufregendsten Bands der gegenwärtigen englischen Musikszene. Das Vierergespann erweckt den Eindruck, dass es scheinbar ein Leichtes ist, großartige Singles zu schreiben; hinter ihren eingängigen Songs und Melodien verbirgt sich allerdings auch eine lyrische und musikalische Tiefe.“ Mit brandneuem Album am Start machen die Jungs, die auf ihrer Webseite Franken wie Wien und manch andere Gefilde unter "United Kingdom" verorten, am 10.02. Station im Erlanger E-Werk.

(Red.)

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