| Kulturtipps 01.-14. Februar 2010 |
Drei Termine sollten Sie in den nächsten Tagen keinesfalls versäumen: das Gastspiel von Max Raabe und seinem Palastorchester in der Nürnberger Meistersingerhalle; einen Abend mit einem außergewöhnlichen Spider-Man im Burgtheater der gleichen Stadt und den Auftritt von Bodo Wartke in der Konzerthalle in Bamberg. Unser "Geheimtipp" für die ersten vierzehn Tage im Februar indes geht im E-Werk in Erlangen über die Bühne - was laut der offiziellen Website der Jungs um die es sich dabei dreht, vermeintlich in "United Kingdom" liegt.
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Max Raabe gastiert mit seinem Palastorchester in der Meistersingerhalle in Nürnberg. Foto: Promo |
Frack, authentisch gegelte
Frisur, steife Körperhaltung und trockener Humor mit einem immer etwas
gelangweilt wirkenden Gesichtsausdruck – auf der Bühne ist Max Raabe
schlichtweg unvergleichbar in seinem Erscheinungsbild. Keiner bringt mehr
oder weniger bekannte Schlager aus den 20er und 30er Jahren besser, witziger
und sehenswerter zur Geltung als der staatlich geprüfte Opernsänger mit der
raffinierten Stimme. Wer es
durchgehender lustiger mag ist sicher gut beraten am 09. Februar Bodo
Wartkes Achillesversen-Programm in der in der Bamberger
Konzerthalle zu lauschen. Denn die Kunde vom Dilemma des Vampirs, der
seine Liebste stets an seine Blutsucht verliert, das Stolpern über die
Hinterlassenschaften der Berliner Fauna auf dem Trottoir, das Verliebtsein in
die Tochter eines Schönheitschirurgen oder die Zusammenhänge zwischen
Schiller und der GEZ sind dem Vernehmen nach keine Sekunde weniger
unterhaltsam als Wartkes auch auf DVD vorliegendes Programm "Noah war ein
Archetyp".Richtig anarchisch ist der Mann leider nicht, aber doch allemal
deutlich über dem bundesweiten Comediandurchschnitt anzusiedeln. Neben dem
vollständigen Live-Mitschnitt eines Auftritts mit Spezialgästen in Schmidts
Tivoli 2008 finden sich auf besagter DVD etwa auch tolle Interviews und
Musikvideos von Bodos Freunden vom GlasBlasSing Quintett. Im Mittelpunkt aber
Geschichten wie sie das Leben schreibt: Ob Probleme mit dem PC, die Suche
nach dem unschlagbaren Argument, mit der Angebeteten die Nacht zu verbringen
oder etwa den Zauber des perfekten Moments...
Seine Interpretation von altehrwürdigen Foxtrotts, Tangos und anderer
musikalischer Sahnestückchen sowie lustige Eigenkompositionen oder Anleihen
bei Charterfolgen der letzten 15 Jahre - etwa bei Britney Spears - sind immer
wieder ein Ohrenschmaus. Daher die frohe Kunde: der gepflegte Meister des
Palastorchesters gastiert am 04. Februar in der Nürnberger
Meistersingerhalle.
"Chansons" singe er nicht, nein. Nicht einmal "Lieder". Nur Schlaaager. Auch
werde er das Publikum nicht mit einer stringenten Handlung langweilen. Der
Abend hier, so Max Raabe, der 1992 mit "Kein Schwein ruft mich an" seinen
ersten Hit hatte und seitdem mit seinem Orchester untrennbar mit der heutigen
deutschen Musikszene verbunden ist, wie seinerzeit die "Comedian Harmonists"
mit der ihren, gehöre ausschließlich der Musik. Wenn der staatlich geprüfte
Bariton mit dem äußerst spielwütigen, zwölfköpfigen Palast Orchester die
Bühne betritt, darf natürlich auch sein "technischer Trick, die Stimme vorne
zu halten", also das rollende "R" nicht fehlen. Seit mehr als 20 Jahren schon
zelebrieren sie die Songs der 20er und 30er Jahre auf der Bühne. Mal
unverschämt lakonisch, oft ungemein lyrisch - und wenn parodistisch, so doch
immer auch ein großes Bisschen liebevoll.
Fragt man den Absolventen der Hochschule der Künste Berlin, wieso er sich
eigentlich für diese Musik entschieden hat, fallen ihm stets als erstes die
Begriffe "Stilistik und Eleganz" ein. Schlicht und ergreifend bewundere er
die Komponisten, die auf kleinem Raum – "so ein Stück dauert ja nur drei,
vier Minuten" – präzise und "potente kleine Opern" geschaffen haben. Und in
der Tat lassen sich in vielen raffinierte Harmoniefolgen und spannungsreiche
Modulationen entdecken. Und wie man es nach seinen beiden Popplatten gewohnt
ist, bei denen er Britney Spears und auch manche One-Hit-Wonder in den Stil
der 20er packt, darf bei all den Original-Schlagern und dem
Operetten-Gesangsgut sowie Jazzigem auch eine Swing-Version von Tom Jones
"Sex Bomb" nicht fehlen. Raabe dazu: "Normalerweise macht man das etwas
fetziger. Wir hingegen entzahnen. Das finden wir komisch."
Exzellent sind übrigens nicht nur die Art und die Weise, wie der Sänger und
sein Orchester die Lieder interpretieren. Auch die Zwischenmoderationen, die
etwa bei einer Suche nach interessanten Frauennamen unweigerlich bei
Brünhilde landen muss, sind ausgesprochen famos und stilvoll. Und für alle
die am ersten Donnerstag im Februar keine Zeit haben in Nürnberg
vorbeizuschauen oder bei den derzeitigen Schneemeassen einfach partout nicht
aus dem Haus raus wollen: die Edition "Heute Nacht oder nie" mit zwei DVDs
und einer CD entstammt einem rundum gelungenen Konzert aus dem Admiral
Palast in Berlin und ist eine wirkliche Empfehlung wert.
Der Wortakrobat Andreas „Spider“ Krenzke indes, der am 12. Februar im
Nürnberger Burgtheater auftritt und nur vordergründig auf
lebendige Kleidungsstücke und Drehkreuze in Supermärkten fokussiert, geht gar
noch einen Tick lakonischer mit Wissenschaft, Philosophie und Politik ins
Gericht, wie nicht zuletzt seine äußerst empfehlenswerte jüngste
CD/Buch-Veröffentlichung "Imbiss wie damals" beweist: Der Berliner Surfpoet
mit der wunderbaren Beobachtungsgabe schreibt generell Geschichten über den
so genannten kleinen Mann, hat spannende Ideen, wie man sein Geld für sich
arbeiten lassen kann, aber vor allem eine recht gehörige Portion trockenen
Humor.
Womit wir auch schon zu unserem "Geheimtipp" für die erste Februarhälfte kommen: Auch wenn es 1:1 Werbesprech ist, es trifft zu: "Der typisch britische Sound von Good Shoes, kombiniert mit dem jugendlich-unbeschwerten Songwriting von Sänger Rhys Jones macht sie zu einer der aufregendsten Bands der gegenwärtigen englischen Musikszene. Das Vierergespann erweckt den Eindruck, dass es scheinbar ein Leichtes ist, großartige Singles zu schreiben; hinter ihren eingängigen Songs und Melodien verbirgt sich allerdings auch eine lyrische und musikalische Tiefe.“ Mit brandneuem Album am Start machen die Jungs, die auf ihrer Webseite Franken wie Wien und manch andere Gefilde unter "United Kingdom" verorten, am 10.02. Station im Erlanger E-Werk.
(Red.)
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