| Neu im Kino - 24.02.2010 |
Wenn in Nana Djordjadzes Film "The Rainbowmaker" ein mystischer Kugelblitz auf einen unglücklichen Liebenden trifft, kann schon mal im Hochsommer das Wasser in der Badewanne gefrieren; aus Handyvideos von Fans, Super8-Urlaubsfilmen und professionellen Konzertauf-nahmen zimmert Jonathan Caouette eine Dokumentation über das englische Musikfestival "All Tomorrow's Parties"; Und der US-Animationsfilm "Die Zehn Gebote" widmet sich der Bibeldarstellung des Mose.
|
|
Wenn in einer an sich recht bieder anmutenden Ferienanlage an der Südküste Englands die Hauptsaison zu Ende geht, treffen sich Fans unterschiedlichster musikalischer Stilrichtungen - seit 1999 finden hier die All tomorrows Parties statt, eine Mischung aus Pauschalurlaub und Indie-Festival. Das Line-Up für die gleichnamige Dokumentation über Freunde von teils experimentellen bis widerborstigen Klängen jenseits des Mainstreams umfasst unter anderem: Belle And Sebastian / Grizzly Bear / Sonic Youth / Battles / Portishead / Daniel Johnston / Grinderman / David Cross / Animal Collective / The Boredoms / Les Savy Fav / Mogwai / Octopus Project / Slint / The Dirty Three / The Yeah Yeah Yeahs / The Gossip / GZA / Seasick Steve / Iggy And The Stooges / A Hawk And A Hacksaw / Fuck Buttons / Micah P Hinson / Two Gallants / Akron/Family / Jah Shaka / Saul Williams / Shellac / Patti Smith / John Cooper Clark / Lightning Bolt / Roscoe Mitchell / The Mars Volta..
Jede Festivalausgabe wird von einer anderen Band oder einem Einzelkünstler kuratiert, teils zeichnen gar kleinere Fangruppen autark für die komplette Auswahl des jeweiligen Programms verantwortlich. Für "All tomorrows Parties" machte Regisseur Jonathan Caouette nun aus recht originär anmutenden Handyvideos von Besuchern, alten Super8-Urlaubsfilmen oder professionellen Konzertaufnahmen ein sehr stimmig komponiertes Portrait des Festivals; gekonnt fängt er Stimmen und Stimmungen in der Anlage im Strandbad Camber Sands ein, zeigt neben den Hauptbühnen auch kleine Privatsessions in Ferienwohnungen oder auf irgendeinem Rasen. So kommt die Musik natürlich voll zum Tragen, neben allerlei interessanten oder auch nur skurrilen O-Tönen von Künstlern und Fans sind es vor allem Aus-schnitte von Darbietungen unter anderem von Nick Cave, Iggy Pop, Patti Smith, Portishead oder Sonic Youth die fesseln. Auch in puncto Schnitttechnik ist der Film ansprechend, teils wird mit Splitscreen gearbeitet - wenn, dann stets sinnvoll und passend um die jeweilige Stimmung zu transportieren. Etwas auf der Strecke bleiben hingegen Hardfacts - etwa die Information, wie besucht das Festival eigentlich ist. Es werden aber auch diverse Themen angedeutet, worüber man gern mehr erfahren hätte, z.B. der komplette Verzicht auf Sponsorenwerbung. Wenn man diesen Streifen aber etwa daran misst, was an deutschen Musikdokus in letzter Zeit ins Kino kam, etwa ein Film über ein Konzert der Neubauten kurz nach der Maueröffnung in Deutschland oder die Trilogie über Rio Reiser, dann kann man eine solche Arbeit eigentlich gar nicht hoch genug loben. Für sich betrachtet ist es allerdings kein wirklich bahn-brechender Film - aber eben doch zumindest ein äußerst interessanter Einblick in ein dem Anschein nach wirklich spannendes Festivalkonzept - fernab von den hierzulande sinnfrei gehypten Park- und Ring-Abzocken.
|
|
Ein kleines Kaff am Meeresufer: Großvater Giorgi (Ramaz Chkhikvadze) kümmert sich alleine um seine beiden kleinen Enkelkinder, sein Sohn sitzt nämlich im Gefängnis, weil er sich in kriminelle Machenschaften hat verwickeln lassen: Der naive Meteorologe Dato (Merab Ninidze, "Nirgendwo in Afrika", "Luna Papa") wollte seiner hübschen Frau so ein schönes Leben ermöglichen und sie letztlich stärker an sich binden. Elena (Anja Antonowicz) hält ihm aber keine Treue - sehr zum Kummer des Großvaters, der seinen eigensinnigen Enkeln derweil so übertriebene Märchengeschichten über deren Vater, den sie kaum noch in Erinnerung haben, erzählt, dass man als Zuschauer eigentlich gar nicht glauben kann, dass Sechsjährige dies für bare Münze nehmen können: ein Goliath soll Vater gewesen sein, ein Held, der wichtige Aufträge als Geheimagent erfüllen muss und deswegen so lange wegbleibt.
Es kommt wie es kommen muss: Als Dato irgendwann entlassen wird, erkennen seine Kinder in ihm natürlich weder Riese noch Held, halten ihn somit für einen Betrüger und zeigen ihm die kalte Schulter. Dazu kommt, dass des Meteorologen Frau sich gerade in einen Feuerschlucker des gastierenden Zirkus verliebt hat und ohnedies nicht mehr viel von ihrem Mann wissen will - nicht einmal ihre Kinder scheinen in ihrem Herzen einen nennenswerten Platz zu haben. Lia (Chulpan Khamatova, "Viktor Vogel", "Tuvalu", "Luna Papa"), eine junge Pilotin, hätte hingegen nichts einzuwenden, Datos neue Frau zu werden. Unter dieser Ausgangslag trifft den Kindsvater ein mystischer Kugelblitz, und plötzlich entdeckt dieser, dass er die Natur beeinflussen kann: von heute auf morgen schneit es mitten im Hochsommer, auch der Regen startet aufs Wort und prasselt ununterbrochen - auch das Meer braust plötzlich auf, wenn Dato das so will. Anfangs aber scheint diese Gabe nicht viel gegen seinen Liebenskummer ausrichten zu können...
The Rainbowmaker heißt der neue Film der georgischen Regisseurin Nana Djordjadze ("27 Missing Kisses", "1001 Rezepte eines verliebten Kochs"), in dem sie mit viel Humor, Leichtigkeit, poetischen, oft auch ungewöhnlichen Bildern - wie z. B. der Figur einer "Sensenfrau", der Tod, der eine Sie ist und die Angst vor Einsamkeit hat - über große und wahre Liebe erzählt. Nicht nur für ausgesprochene Freunde des osteuropäischen Kinos empfehlenswert,
|
|
Die "Geschichte" von Mose ist wohl den meisten Menschen mit christlichem Hintergrund aus dem alten Testament mehr oder minder geläufig: Seit Jahrhunderten müssen die Israeliten in Ägypten als Sklaven arbeiten. Gott beauftragt Mose das Volk in die Freiheit zu führen. Mit seiner Hilfe schickt dieser den Ägyptern Plagen, wie Heuschreckenschwärme, Feuer, Hagel oder Finsternis, und zum Schluss den Tod für alle Erstgeborenen, weil Pharao Ramses sich weigert, die Israeliten frei zu lassen. Erst nachdem auch dessen Sohn stirbt, lässt er sich erweich-en, verfolgt die ehemaligen Sklaven kurze Zeit später aber mit seiner Armee. Mit Gottes Hilfe teilt Mose die Wasser des Schilfmeers, und während sein Volk das andere Ufer erreicht, versinken die Streitwägen der mutmaßlichen Peiniger in den alsbald wieder zusammenstürzenden Fluten. Der Weg der Israeliten derweil geht ins Gelobte Land. Während Mose für viele Tage wegbleibt und von Gott die Zehn Gebote erhält, bauen seine Landsleute ein goldenes Kalb und werden prompt dafür bestraft. Nach 40 Jahren Wanderschaft in der Wüste stehen die Israeliten an der Grenze zum Gelobten Land, das Mose nicht mehr erreichen wird...
Aus den USA kommt der Animationsfilm Die Zehn Gebote von Bill Boyce und John Stronach, der die angebliche Lebensgeschichte von Mose erzählt. In ihrer Grobschlächtigkeit und den sehr unnatürlichen Bewegungsabläufen erinnern die Zeichnungen stark an ebenso belanglose wie veraltete Computerspiele, die Machart und die Figurenklischees ist auch alter Schule, was hier keineswegs als Kompliment zu verstehen ist. Selbst die Synchronstimmen von Ben Becker oder Otto Sander kommen äußerst bemüht daher - geschweige denn die von Sky Du Mont, Sascha Hehn oder Judy Winter. Unabhängig von seinem eigentlich ohnedies unnötigen Inhalt befremdet, dass der Streifen hierzulande mit unverholener Schützen-hilfe der Evangelische Kirche Deutschlands ins Kino kommt. So kann man sich leicht zusammenreimen, welche Motive hier eine Rolle spielen. Richtig weh tut denn auch, wenn das so genannte "Christliche Medienmagazin pro" beispielsweise Folgendes faselt: "Technisch reicht der Animationsfilm vielleicht nicht an Disney und Co. heran, er kann aber trotzdem begeistern, vor allem Kinder." Denn selbst trotz des "vielleicht" Assoziationen an Indiana Jones oder Harry Potter wecken wollenden Untertitels "Das Geheimnis der steinernen Tafeln" ist dieser überdies recht langatmige Film eben nicht nur vielleicht ein wenig hinter den gegenwärtigen Minimalstandards zurück, sondern GARANTIERT handwerklich mit das Schlechteste an Animation was die letzten sieben Jahre hierzulande ins Kino kam, sondern auch derart uninspiriert und unterschwellig Gewalt verherrlichend (natürlich nur gegen die die es aus "seiner" Sicht verdienen), dass selbst "christlich" orientierte Eltern zwei Mal überlegen sollten, hier ihr Geld und die kostbare Freizeit ihrer Kinder zu verpulvern. Wobei es in Sachen kalkulierter Glaubenskriege im Kultur-sektor von "christlicher" Seite natürlich allein mit Mel Gibsons Kreuzzug weitaus verureteilenswürdigeres gab.
Red.
Legende der Punktwertungen:
=
schlichtweg herausragend
= empfehlenswert
=
interessant
= zwiespältig
= ziemlich mau
= grausam