logo

Neu im Kino - 07.01.2010

Dinos treffen auf Studis

In Leander Haussmanns "Dinosaurier" zeigen Altenheimbewohner machtgierigen Bankern, dass sie trotz ihrer dritten Zähne, Diabetes, Alzheimer und Parkinson nicht zu unterschätzen sind; und in seinem Debüt "13 Semester" widmet sich Frieder Wittich dem Studentenleben mit all seinen Facetten – zwei deutsche Komödien sind aktuell neu im Kino.

Offiziell gilt Johann Schneider (Ezard Haußmann) als demenz-krank und hat somit Pflegestufe drei. Hinter dem Rücken des schmierigen Heimleiters Piretti (Tom Gerhardt) feiert er aber heute etwa seinen Geburtstag mit drei Callgirls und einer Flasche Sekt - bis ihm Piretti gehörig dazwischenfunkt. Der ehemalige Aufschneider und Baulöwe, der Millionen in den Sand gesetzt hat, ist statt im Gefängnis im Altenheim gelandet; sein Sohn ist darauf erpicht, ihn entmündigen zu lassen. In diesen - wenn nicht eben gerade kurz Party angesagt ist - trögen Alltag platzt Lena Braake (Eva-Maria Hagen) mit ihrem Köfferchen in Schneiders Leben. Die ehemalige Lehrerin hat ihr Haus dank unehrlicher Machenschaften des jungen ehrgeizigen Bankers Tobias Hartmann (Daniel Brühl) verloren, der einen ganzen Straßenzug aufkauft, um dort ein riesiges Einkaufszentrum zu bauen. Die Seniorin ist zutiefst deprimiert und so nimmt Schneider sich ihrer an. Zusammen mit anderen Alten heckt er Pläne aus, wie Brake ihr Haus wieder zurückgewinnen kann. Und die einstmals so korrekte und schüchterne Rentnerin entwickelt selbst solch kriminellen Energien, dass sie den alten schlitzohrigen Hochstapler gar in die Tasche steckt.

In Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus spucken die Bewohner eines Altenheims nimmersatten Bankern kräftig in die Suppe - trotz Alzheimer, Parkinson oder Diabetes. Dabei nimmt Regisseur Leander Haußmann ("Herr Lehmann", "Sonnenallee", "NVA", "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken") alles augenzwinkernd aufs Korn: die besagten Krankheiten, Altenheime, Pfleger und Patienten, dritte Zähne oder die Über-den-Tisch-zieh-Politik der Banken. Eine nette Komödie ohne wirklich richtig bissig zu sein. Aber gut gemeint und vor allem mal ein Angebot in dem nachweislich die unterschiedlichsten Generationen gemeinsam Spaß haben können, fallen hier positiv ins Gewicht.

Moritz (Max Riemelt, "Lauf um dein Leben", "Die Welle") von allen seit Jahren nur Momo genannt, will nach seinem Abi nicht die Gaststätte seiner Eltern übernehmen. Und so macht er sich mit seinem Kumpel Dirk (Robert Gwisdek, "Lauf um dein Leben", "Armee der Stille") auf den Weg von einem brandenburgischen Nest nach Duisburg, um dort an der TU Wirtschaftsmathematik zu studieren. Was aber als DER Weg in die Freiheit scheint, ist erst einmal mit vielen Stolpersteinen gepflastert: angefangen von der Wohnungssuche bis hin zu Prüfungen. Während sich Dirk mit seinen neuen Freunden in die Welt der Vorlesungen und Hausaufgaben stürzt, lernt Momo von Semester zu Semester bei seinem WG-Mitbewohner Bernd (Alexander Fehling, "Am Ende kommen Touristen", "Die Buddenbrooks"), dass es im Leben doch viele andere Dinge gibt, die schöner sind als Pauken. Er verliebt sich – zunächst hoffnungslos – in die Architekturstudentin Kerstin (Claudia Eisinger, "Polska Love Serenade"), hält sich mit Minijobs über Wasser, und feiert auf ziemlich vielen Partys. Als ihn Dirk und die Anderen aus der gemeinsamen Lerngruppe für's bevorstehende Vordiplom schmeißen, wanzt er sich an Aswin (Amit Shah, Theaterjungstar aus England) heran, einem indischen Mathegenie, das auch aufgrund von Sprachschwierigkeiten bis dato eher allein durchs Studium gehen musste und Momo auch tatsächlich eine große Hilfe sein wird, dank seinem neuen Kumpel nun aber selbst zum  exzessiven Partygänger wird. Irgendwann merkt Moritz, dass er auf der Stelle tritt und dass seine heile Welt auseinander bricht.

13 Semester ist Frieder Wittichs Spielfilmdebüt - das Studentenleben wird sehr authentisch und mit viel Humor präsentiert. Herrliche Seitenhiebe sowohl auf Pauker als auch auf Lebenskünstler, gelangweilte Profs, WGs, Auslandssemester, abstruse Versuche Geld zu verdienen und derlei mehr inklusive - ohne dabei jemanden vorzuführen. Das junge Schauspierensemble harmoniert bestens miteinander, und der Regisseur bewies nicht zuletzt einen guten Geschmack beim Soundtrack. Höhepunkt des Ganzen ist das Mitwirken der Band Bonaparte, die klasse Songs - darunter "Too Much" und "Anti Anti" - beisteuert.

Red.

Legende der Punktwertungen:

= schlichtweg herausragend

= empfehlenswert

= interessant

= zwiespältig

= ziemlich mau

= grausam