| Neu im Kino - 11.01.2010 |
Der norwegische Regisseur Rune Denstad Langlo schickt in seiner Komödie "Nord" seinen Helden auf einem Schneemobil mit einem Kanister Schnaps auf eine Reise quer durch sein Heimatland; In "Das Zimmer im Spiegel" von Rudi Gaul versteckt sich eine Jüdin vor den Nazis in einer Dachwohnung und flieht dabei zugleich in eine Fantasiewelt; Und Regisseur Martin Hoffmann begleitet den jungen Dolpo Tulku in der gleichnamigen Dokumentation auf dessen Reise durch eine der abgeschiedensten Gegenden der Welt: in den Himalaya.
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Jomar ist um die 30. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat,
spricht der stämmige Mann kräftig dem Hochprozentigen zu, fristet sein Dasein als Liftwärter in
einer verschneiten Einöde Norwegens und badet ständig in Selbstmitleid -
kurzum, er kriegt seine Depressionen nicht in den Griff. Bis sein
ehemaliger bester Freund Lasse, der ihm vor Jahren die Liebe seines Lebens
ausgespannt hat, auftaucht und ihm mitteilt, er habe einen kleinen Sohn im
Norden des Landes. Und so "sattelt" Jomar, nur mit einem Plastikkanister Schnaps
als Proviant ausgestattet, sein Schneemobil und macht sich auf den Weg in die Nähe des Polarkreises, wo seine Ex mit dem Kind leben
soll. Der Norweger
Rune Denstad Langlo kommt aus dem Dokumentarbereich, und so bietet er in seiner
herrlich schwarzhumorigen Komödie Nord - einem skurrilen wie auch
poetischen Road-Movie - nebenbei auch atemberaubende Bilder von
Schneelandschaften, durch die Jomar hier rast und dabei auf ebenso einsame wie
eigenwillige Menschen trifft:
ein Mädchen, das ihn im Wald findet, als er - weil schneeblind - orientierungslos
umher irrt, und ihn, trotz Proteste ihrer Oma, kurzerhand bei sich im
Kinderzimmer
einquartiert, bis Jomar wieder sehen kann; ein Bauerjunge, der dem trinkfesten
Gast eine neue Methode beibringt, wie man mit ganz wenig Alkohol und einem
Tampon einen richtigen
Rausch bekommen kann; oder ein 80-jähriger, der sich weigert nach Hause zu
gehen und nun in einem kleinen Wigwam auf einem gefrorenen See wohnt und dabei mit einem Fuß
an ein Schneemobil gekettet ist.
Außer der Rolle von Jomar, der von dem in seiner Heimat sehr bekannten
Schauspier Anders Baasmo Christiansen verkörpert wird, hat Rune Denstad Langlo
"Nord" fast ausschließlich mit Laien besetzt. Der Film über den Weg zurück ins
Leben besticht neben dem bereits erwähnten Übermaß an leisem Humor durch die
nur theoretisch unvereinbare Natürlichkeit und Kauzigkeit dieser
Charaktere.
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Eine Einzimmerwohnung unterm
Dach. Ein Bett, zwei Stühle, ein Tisch, ein Kleiderschrank, Buchregale, ein
großer Spiegel, alte, teilweise abgerissene Tapeten. In diesem letztlich sehr
unwirklich wirkenden Umfeld versteckt ein Ehemann seine jüdische Ehefrau Luisa (Kirstin Fischer) in München vor
den Nazis. Es sei nur vorübergehend, reden sich anfangs beide noch ein. Luisa hat schicke Klamotten
mitgenommen, sie schminkt sich jeden Tag, frisiert sich, lässt ihren Mann
verbotene Bücher in ihren Unterschlupf schmuggeln. Außer ihn sieht sie in
jenen Tagen keine Menschenseele,
sie hört nur Stimmen im Haus, vor allem auch aus der benachbarten Wohnung. Die
Menschen dort - mittels der dank eines Stethoskops verstärkten Töne besteht
kein Zweifel - reden "passend" zur Zeit sehr abfällig über Juden,
billigen das Regime. Erst nach und nach wird Luisa damit bewusst, in was für ein Gefängnis
sie sich begeben hat, wie sehr sie aufpassen muss, damit kein Ton - etwa beim
Duschen - aus ihrer Behausung nach draußen dringt. Und genau in dieser Phase
taucht auf einmal ihr Mann nicht mehr auf. Einige Tage später aber
sperrt eine Fremde die Tür der beängstigten und verzweifelten Frau auf. Es
ist Judith (Eva Wittenzellner), eine mondäne dunkelhaarige Schauspielerin und
Widerstandskämpferin, vielleicht gar Liebhaberin ihres Mannes. Sie sei
aufgeflogen und auf der Flucht, den Schlüssel habe sie von Luisas Mann
bekommen. Nach und nach führt sie diese auf geheimnisvolle Art und Weise – ohne das Zimmer zu verlassen –
fort von der brutalen Wirklichkeit in eine Welt
voller Poesie und Sehnsüchte. Sie singen gemeinsam, sie streicheln sich, sie
schlaffen zusammen in einem Bett. Bis irgendwann kein Essen mehr da ist und
Luisa sich ausgerissene Buchseiten in den Mund stopft. Als Edith dann die
Wohnung verlassen will, verschwindet der Schlüssel.
Das Zimmer im Spiegel heißt der Erstlingsfilm von Rudi Gaul (1982) über die
Macht der Fantasie, die in der Situation völliger Einsamkeit während
eines Terror-Regimes Fluchtwege aufzeigt. Über Gedanken, in denen man sich
verstecken aber auch heillos verirren kann. Wirklichkeit und Einbildung sind
hier stark miteinander verwoben, viele verschiedene Interpretationen möglich.
Das Kammerspiel auf engstem Raum kommt in jeder Hinsicht sehr ambitioniert
daher, wirkt aber bei den surrealistischen Passagen trotz teils interessanter
Kameraeinstellungen, Bilder und auch streckenweise sehr überzeugender
Darstellung der beiden Miminnen, viel zu behauptet.
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Es war 1981 als Sherap Sangpo in der unzugänglichen Dolpo-Region in Nepal geboren wurde.
Im Alter von zehn begleitete er
seinen Großvater auf eine Pilgerreise nach Indien - zu seiner Initiation durch den
Dalai Lama. Daraufhin beschloss der Hirten-junge Mönch zu werden. Und so trat
er einem Kloster in der Nähe der nepalesischen Hauptstadt Kath-mandu bei, wo
er dann wenige Monate später als Reinkarnation des Dolpo Lamas Nyinchung Rinpoche
anerkannt wurde. In Südindien, im Namdroling Kloster, lernte er Lesen und
Schreiben und bekam eine umfassende buddhistische Unterweisung. Im Sommer 2008
– nun bereits ein stattlicher junger Mann – kehrte Sherap Sangpo Dolpo Tulku in seine Heimat
zurück, um sein Amt als geistliches Oberhaupt anzutreten. Regisseur Martin
Hoffmann hat ihn bei dieser Reise begleitet und mit Dolpo Tulku ein sehr
rührendes und emotionales Portrait des 28jährigen geliefert, der sich -
nicht unfrei von Selbstzweifeln - der riesigen Verantwortung seiner Mitmenschen
gegenüber bewusst ist. Gleichzeitig liefert Kameramann Thomas Henkel
atemberaubende Bilder des tibetischsprachigen Dolpo im Nordwesten Nepals, das
als eine der abgeschiedensten Gegenden der Welt zählt. Eingeschlossen von
den gewaltigen Gebirgsketten des Himalaja – das höchst besiedelte Dorf befindet
liegt auf über 5000 Metern -, und damit weitgehend ohne Elektrizität und ohne moderne
Kommunikationsmittel, ohne nennswerte chinesische oder indische Einflüsse hat
sich eine uralte buddhistische Kultur erhalten.
Als Dolpo Tulku sein Dorf nach 17 Jahren wieder sieht, ist der junge Mann
sichtlich enttäuscht, es habe sich gar nichts geändert, stellt er fest. Die
gleiche Armut, keine Straßen, keine mechanischen Hilfsmittel bei den Feldarbeiten,
hohe Kindersterblichkeit, kaum Schulen. Einnehmend spricht er über
seine Pläne - der Zuschauer nimmt ihm seine Hingabe und Bescheidenheit
jederzeit ab. Keine
einzige Sekunde verliert die Doku an Authentizität.
Red.
Legende der Punktwertungen:
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