| Neu im Kino - 28.01.2010 |
Regisseur Thomas Woschitz und die Musiker von "Naked Lunch" haben zusammen sechs kleine Geschichten rund um die Liebe zu "Universalove" komponiert; In der französischen Komödie "Auf der anderen Seite des Bettes" tauschen Sophie Marceau und Dany Boon nicht nur im Schlafzimmer die Plätze; Und in "Die Affäre" kämpft Kristin Scott Thomas mit aller Kraft um eine neue Liebe.
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Während der Mann leise schnarcht, liegt die Frau mit geballten Fäusten daneben. Irgendwann steht sie auf und bald darauf ist ein Schuss zu hören. Nach dieser Anfangssequenz erzählt die französische Regisseurin Catherine Corsini, die auch das Dreh-buch zu Die Affäre (der im Original "Partir" - also eher soviel wie weggehen - heißt) schrieb, über eine Frau um die 40, die aus Liebe alle Brücken zu ihrem alten Leben kappt. Suzanne (Kristin Scott Thomas, "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Der englische Patient") ist mit einem Arzt (Yvan Attal, im realen Leben heißt seine Ehefrau Charlotte Gainsbourg) verheiratet, offenkundig geht es ihnen wirtschaftlich ziemlich gut. Wegen der beiden Kinder, die mittlerweile im Teenageralter sind, hat sie ihren Job als Therapeutin aufgegeben. Nun will sie wieder einsteigen, und ihr Mann beauftragt Bauarbeiter, um ihr eine Praxis einzurichten. So lernt sie Ivan (Sergi Lopez, "Ricky") kennen, einen Spanier, zu dem sie sich so gleich hingezogen fühlt. Es beginnt eine leidenschaftliche Affäre. Doch - der Zuschauer kann nur ahnen warum - sie beichtet das ihrem Mann, versucht faktisch noch einmal ins alte Leben zurückrudern, doch wie zu erwarten ist die Liebe für den Neuen, respektive das Verlangen nach etwas Neuem letztlich aber stärker. Und so lässt Suzanne alles hinter sich, sogar die Kinder. Ihr Gatte will das nicht akzeptieren, mit aller Macht versucht er, sie zurück zu gewinnen, sei es indem er sie mit verschiedenen Methoden unter Druck zu setzten versucht. Dank des Doktors weit reichender Kontakte kann Ivan keinen Job mehr finden, und ihr hat die Bank quasi den Geldhahn zugedreht. Finanziell reicht es dem jungen Glück also bald von vorne bis hinten nicht, Und während die Tochter Suzanne fortan die kalte Schulter zeigt, ist es einzig der Sohn, der zum neuen Leben der Mutter seinen Segen gibt und zu ihr hält. Als sie einmal ihren Mann und beide Kinder außer Haus wähnt, bricht sie in das mutmaßlich bis vor kurzer Zeit als "goldener Käfig" wirkende Haus ihres Ex ein, nimmt teure Gemälde mit die vielleicht in ihrer gemeinsamen Zeit angeschafft worden waren, aber auch den unzweideutig als seinen geltenden Familienschmuck mit. Da sie selbst bei einem Antiquitätenhändler kalte Füße kriegt, ist es Ivan der das Zeug zu verkaufen sucht, und dabei festgenommen wird. Der Arzt stellt Suzanne vor die Wahl: Wenn sie zu ihm zurückkehrt, lässt er ihren Liebhaber, der bereits vor der schicksalhaften Begegnung einsaß und eine kleine Tochter hat, zu der er nun endgültig jede Bindung verlieren würde, laufen. Bis hierher ist alles ziemlich vorhersehbar und auch insgesamt ziemlich oberflächlich und noch dazu langatmig skizziert. Es ist lediglich die allerletzte Viertelstunde, die die Zuschauer unglaublich packt, davor begeistert im Grunde nur die allerdings auch durchgehend hervorragende Schauspielleistung der drei Hauptpersonen. Ansonsten ist es zu abrupt und schwer nachvollziehbar, mit welcher Heftigkeit Suzanne einen Schlussstrich hinter ihr altes Leben macht - man kann es sich bestenfalls zusammenreimen: Unzufriedenheit mit dem Hausfraudasein, Langeweile im Ehebett - ein paar Puzzleteile kommen nach und nach aufs Tablett. Dennoch für eine packende Cha-rakterstudie fehlt hier eine Menge.
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Ein einsamer Computertechniker in Tokio findet eher zufällig auf einer kaputten Festplatte Videoaufnahmen einer Frau, und ist sofort hin und weg. Er sieht sie in einer Suppenküche wieder und nachdem er bald des Öfteren schmachtend heimlich von außen ihren Anblick erspähte, will er ihr nun endlich seine Liebe gestehen; In Brooklyn ist derweil ein Taxifahrer von Eifersucht geplagt, ohne dass seine Frau ihn einen wirklichen Grund dazu gegeben hatte; In Rio de Janeiro bekommt ein männlicher Telenovela-Star, der anscheinend im realen Leben keine schönen Ge-fühle mehr zu haben scheint von einer einfachen Frau einen Kuss, was hier wie eine Erlösung wirkt; In Luxemburg wagt es ein älterer verheirateter Mann sich mit einem Jüngeren einzulassen; In Marseille ist ein Mädchen in einen jungen Mann verliebt, der in Lebensgefahr steckt; und in Belgrad streiten und ver-söhnen sich zwei, die sich seit Ewigkeiten kennen und nicht mehr voneinander lassen können...
Universalove heißt der Film des österreichischen Regisseurs Thomas Woschitz und der Musikgruppe "Naked Lunch", die dazu einen wunderbaren, schlicht herausragenden und stets stimmigen Soundtrack schrieb. In sechs Kurzfilmen, die im Prinzip sehr lose – nur mittels der Musik - miteinander verbunden sind, dreht sich alles um die Liebe, um dieses universelle Gefühl in all seinen Facetten. Sie ist Grenzen übergreifend, aber den lokalen Gegebenheiten angepasst. Und sie hat nicht immer - sogar selten - ein Happy End. Sie verursacht Herzklopfen, Träumereien, aber auch böses Blut. Universalove ist eine in Bild und Ton sehr schön komponierte Geschichte über die wohl wichtigste Sache der Welt - und auch wenn inhaltlich und dramaturgisch kaum vergleichbar, als Episodenfilm fühlt man sich in puncto Qualität fast schon an "Night on Earth" erinnert. Aber nicht nur die einfühlsam erzählten Geschichten, auch viele unverbrauchte Gesichter, die durchweg überzeugend agieren sowie der unaufdríngliche Multikulti-Flair fallen ebenfalls positiv ins Gewicht
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Aus Sicht von Hugo (Dany Boon) führt seine Frau Ariane (Sophie Marceau) ein sehr komfortables Leben. Er als Chef einer großen Firma sorgt schließlich für das Einkommen, und was ist schon das bisschen Hausarbeit und sich um die beiden kleinen Kinder kümmern? Oder einen Handwerker zu beaufsichtigen? Eines Tages geht Ariane in die Luft, dass ihr sehr wohl stressiger Alltag für ihren Mann unsichtbar bleibt, obwohl sie permanent ihre Managerfähigkeiten als Mutter unter Beweis stellen muss. Als sie Hugo einmal mit in diese Planung einbezieht, vergisst er glatt seine kleine Tochter auf dem Bürgersteig. Ariane reicht es endgültig. Sie will einen Deal: Entweder Scheidung oder Rollentausch - Sie wird ein Jahr lang seine Firma leiten und er sich nunmehr um den Haushalt, die Kinder und dem Schmuckverkauf - ihren kleinen Zuverdienst - kümmern. Zähneknirschend gibt der Mann klein bei, obwohl alle in ihrem Umfeld, angefangen von Arianes Mutter, ihrer Freundin, seinen Kollegen und gar die gemeinsamen Kinder nur den Kopf über diese Idee schütteln. Gesagt - und notariell beurkundet - ist aber auch schon getan, und als den Beiden ein verkappter Verbraucheranwalt als Coach zur Seite steht, läuft das mit dem Schlüpfen der Ehefrau in Businessklamotten und dem an-empfohlenen Herauskitzeln ihrer männlichen Wesenszüge nach anfänglicher Panikattacken irgendwann fast wie am Schnürchen, und auch der ehemalige Direktor kämpft nur anfangs aussichtslos mit Bergen von Wäsche. Kurzum: Langsam aber sicher finden die Beiden an ihren neuen Rollen Gefallen.
Auf der anderen Seite des Bettes heißt die Komödie der französischen Regisseurin Pascale Pouzado nach einem gleichnamigen Roman. In den Hauptrollen mit Sophie Marceau, die als aufmüpfiger Teenager in dem 80er-Jahre-Kultfilm "La Boum – Die Fete" bekannt wurde und zuletzt in "LOL" zu sehen war, und Dany Boon, der mit "Willkommen bei den Sch’tis" vor zwei Jahren als Regisseur und Schauspieler einen großen Erfolg nicht nur in seiner Heimat erzielte. Hier nun aber ist eigentlich überhaupt nichts lustig und schon gleich gar nicht hintersinnig. Dazu durchweg eindimensionale Charaktere, und überdies auch noch schlecht gespielt, überladen mit Klischees und Zoten und last but not least eine recht holprige deutsche Synchronisation. Die Moral der G'schicht ist erschreckend einfach: Frau bleibt Frau, Mann bleibt Mann, egal wie sehr man sich auch dagegen wehrt. Wobei es hier um zugewiesene Geschlechterrollen geht. Ein Film bei dem man aufgrund des erschreckend reaktionären Weltbildes - neben Ariane verkommen hier auch ihre Filmmutter und alle Schmuckkundinnen sowie potentielle Nutznießerinnen von ihren neuen Ideen für die Baumaschinenfirma ihres Göttergatten zum Witzblättchenklischee - auch als wenigstens nur halbwegs an generelle Gleichwertigkeit der Geschlechter glaubender Mann nur den Kopf schütteln kann und sich fragt, wie viel Einfluss Herr Sarkozy eigentlich auf das aktuelle Filmwesen seiner Heimat hat.
Red.
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