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Wii-Special - 17.07.2009

Trainieren, Tanzen und Müll beseitigen

Während Sklaven im alten Rom zu erfolgreichen Gladiatoren ausgebildet werden, versucht die US-amerikanische Fitnesstrainerin Jillian Michaels zu zeigen, dass man mit ein paar Übungen und Ernährungstipps sein Gewicht in den Griff kriegen kann; in einem Loft mit Quallen im Aquarium sollen derweil gleichzeitig Geist und Körper angesprochen werden; eine Tanzmatte schließlich verspricht umwerfendes Discofeeling in den heimischen vier Wänden; und der kleine Kobold Hugo will dafür sorgen, dass es gut riecht auf der Insel - kurzum: wir haben wieder fünf aktuelle Wii-Spiele für Sie getestet.

Schauderhafte Geschichten - Skrupellose Römer heißt der aktuelle Titel der Koch Media GmbH, der es doch tatsächlich versucht, die eben wenig homogene Wii-Generation ins alte Rom zu versetzen. Neben der Rahmengeschichte um einen jungen Sklaven, der zum Gladiatoren ausgebildet wird und auf seinem Weg zum Kolosseum viele kleine Herauforderungen überwinden und Gegnern die Stirn bieten muss, sind sämtliche Minispiele auch direkt ansteuerbar und können dann bis zu viert gespielt werden. Aber auch beim Einzelspielermodus gibt es die Möglichkeit, Hilfe zu holen, etwa wenn ein Wissensquiz über die Gepflogenheiten und teils vom Geschichts-unterricht bekannten Taten der Römer ansteht. Wenn man nicht gerade in Erinnerungen kramen muss, gilt es etwa Hühner mit dem Lasso fangen oder Strohpuppen mittels Degen zu zerlegen. Abgesehen von dem äußerst trögen Anfang der Hauptgeschichte - nicht nur inhaltlich sondern auch grafisch - kann man dem Ganzen nicht zuletzt ob der erfreulich raschen Ladevorgänge und des recht kindgerechten Comiclooks mit der Zeit doch einiges abgewinnen, obwohl die Minispiele auf Dauer für Erwachsene zu simpel sind und gefühlt jede vierte der insgesamt 25 Aufgaben so oder so ähnlich bereits in "Wii Play" enthalten war.

Ein Loft mit großer Eingangshalle, eine Theke vor einem großen Aquarium mit Quallen drein, ein dürres, spärlich angezogenes Wesen (eine Traumfigur für Essgestörte) - THINK® Logik Trainer - Training für Körper und Geist von dtp Entertainment AG bietet schon auf den ersten Blick einen seltsamen Spieleinstieg. Betrachtet man dann die virtuellen Figuren, in die man schlüpfen kann, wird einem Bange ob das ein Zukunftsszenario sein soll, in dem stocksteife und sich selbst überschätzende BWLer im Freizeitlook für die Weltherrschaft trainieren. Spaß beiseite: "Think" ist ein sehr sehr billig wirkender Abklatsch des inhaltlich meilenweit liebevoller und vor allem grafisch weitaus besser programmierten Titels "Big Brain Academy": ob für einen Zug die Weichen stellen oder etwa die Reihenfolge gehörter Laute diverser Musikinstrumente wiedergeben - vieles beim ersten Wii-Titel der in Koop mit Ravensburger Spiele umgesetzten THINK®-Reihe scheint 1:1 übernommen, wäre da nicht die schlechte Lesbarkeit der Aufgaben. Peinlich auch, dass in den jeweiligen Unterkategorien nicht mal ausreichend verschiedene Aufgaben zusammengefasst wurden, dass es einem wenigstens in der kürzesten Variante (10 Minispiele sind jeweils Minimum zu absolvieren, der Schwierigkeitsgrad kann anhand von 3 Stufen jeweils neu eingestellt werden) nicht selbst dann so schnell langweilig würde, wenn man die "Big Brain Academy" oder andere den Geist fordernden Minispielsammlungen noch nicht kennt. Dass der erste Think-Titel in einem Untermenu im Empfangszentrum noch zu ein paar Sportübungen wie Kniebeugen, Sit-Ups, Rumpfbeugen oder Kniedehnen einlädt würde nur schlecht draufgeklatscht wirken, würde dieses Gimmick, respektive eben die Zusammenführung von Übungen für Geist "UND" Körper nicht auch noch wichtigtuerisch als Innovation verkauft werden.

Wer möchte insgeheim nicht mit seinen Tanzkünsten beeindrucken? Da aber viele einen richtigen Tanzkurs scheuen und gerade bei diesem "Sport" noch selten ein Meister vom Himmel gefallen ist, erscheint es vielleicht reizvoll, dass nun auch alle Besitzer einer Wii zu Hause üben können, und zwar auf einer Tanzmatte mit Dance Party Pop Hits von Nordic Games Publishing AB. Die Tanzmatte ist dem übergroßen Spielekarton beigelegt, sie ist rasch und absolut unkompliziert am Boden aufgebreitet und wird dort angesteckt, wo die Konsole ggf. bisher Gamecube-Controllern Anschluss bot. Ist das Spiel hochgefahren, kann man auch noch die Wii-Fernbedienung getrost zur Seite legen, auch der A- und B-Knopf und andere Bedienmöglichkeiten sind auf der blau-weiß gehaltenen "Tanzfläche" integriert. Fürs eigentliche Gamerplay sind aber vor allem die acht Pfeile auf der Matte relevant, sie weisen den Füßen ihren Weg. Sobald ein Lied (15 Songs stehen zur Wahl, über 30jährige kennen vielleicht einen oder maximal zwei, wirklich jahrelang erprobte Partytanzmusik sucht man im Angebot vergeblich) und Spieltyp (Einspieler-Modus, Multiplayer für Competitions mit einem Freund, Turnier mit bis zu acht Spielern) ausgewählt sind, erscheint auf dem Bildschirm eine recht dunkle Tanzfläche (die immerhin Vertrauen einflößt, nicht gleich im grellen Scheinwerferlicht mehr unbeholfen als recht herumzustolpern) und nebenan die Anweisungen: Pfeile zeigen an, wohin man auf die Tanzmatte treten soll. Abgesehen davon, dass etwaige Zuschauer sich über die komischen Bewegungen des Möchtegern-Tänzers kaputt lachen können, weckt das Spiel leider nicht unbedingt die vielleicht schlummernde Begabung, zumal viele Songs nicht zwingend zum Tanzen einladen, zur Wahl stehen aber beispielsweise auch “Push The Button” von den Sugababes, “Some Kinda Rush” von Booty Luv und “Murder On The Dance Floor” von Sophie Ellis Bextor. Kleines Gimmick am Rande: Der ins Spiel integrierte Kalorienzähler, der nach jeder absolvierten Einheit Werte ausspuckt, hilft außerdem noch, generell in Form zu bleiben bzw. zumindest den Überblick zu bewahren, wie viel Fett man mit der körperlichen Anstrengung gerade verbrannt hat.

Wii-Spiele, die ein Fitnessstudio ersetzen wollen und einen zu Hause ganz privat schwitzen lassen, gibt es mittlerweile einige. Ganz neu im Rennen um die Käufergunst ist nun Jillian Michaels Fitness Ultimatum (Koch Media GmbH), wo man alleine oder zu zweit auf sein eigenes Gewicht achten oder Kraft trainieren kann. Grafisch besticht der Titel nicht unbedingt. Nachdem man Alter, Geschlecht und Gewicht eingegeben hat, kann man aus vorgegebenen Figuren und Sportklamotten ein virtuelles Ich erstellen und es ins Camp schicken, wo man zum Beispiel rudern, von einem Reifen zum anderen hüpfen, im Wasser über schwimmende Holzstämme springen, Sandsack boxen oder ein Klettergerüst überwinden kann. Die Spielideen an sich sind vielfältig, aber das Gesamtkonzept trägt hier nicht, was nicht nur an der erwähnten Optik, sondern auch an den faden Sprüchen, teils hakelnder Steuerung und an der Tatsache liegt, dass man etwa beim Laufen mit simpelsten Handbewegungen auch nur so tun kann als ob - das Spiel registriert den Betrug nicht. War man nominell erfolgreich und fleißig, gibt es immer wieder diverse Tipps von der US-amerikanischen Fitnesstrainerin als "Belohnung", die man in der "Cafeteria" abrufen kann: z. B. dass man in einem Restaurant statt einer fetthaltigen Beilage einen Salat bestellen kann, oder dass man lieber mit Dampf garen soll. Nett aber insgesamt auch nichts Neues. Wer auf sein Gewicht achten möchte, und an diese Menschen richtet sich das Spiel ja, weiß das alles eh bereits.

Der kleine Kobold von dem abschließend die rede sein soll war mit seinen langen Ohren einst der Star einer sog. interaktiven Fernsehshow. Mit Agent Hugo: Hula Holiday ist sein neues Abenteuer (Verlag: Rough Trade Software & Games) für Nintendos Wii erhältlich. Die Geschichte ist folgende: Agent Hugo verbringt seinen Urlaub auf einer idyllischen Tropeninsel im Pazifik. Während er auf seiner Luftmatratze so herumschwimmt, beginnt es plötzlich von irgendwoher zu stinken: Fliegen und überlaufende Mülleimer verschandeln das Bild der einstmals schönen Insel. Sie stehen unter dem Kommando des Bösewichts Big Fly. Und natürlich nur Hugo kann die stinkenden Eindringlinge vertreiben, also fängt der Kobold an von einem Level zum anderen zu laufen (es gibt derer 17), mit seinen legendären Drehangriffen Müllhaufen in Diamante/Punkte zu verwandeln, Gegner mit seinem Blasenwerfer zu besiegen, und umherzuhüpfen um etwa Schlüssel für neue Wege zu ergattern. Die Grafik geht gerade so, die Steuerung ist einfach aber leider nicht immer genau. Gemessen aber an kindgerechten Jump-and-Run-Spielen der Konkurrenz, mangelnder Originalität und der Tatsache, dass gar wenig computerverwöhnte Kids das Spiel nach 2 1/2 Runden gelangweilt zur Seite legen, bleibt letztlich nur das Urteil "ziemlich mau".

Red.

Legende der Punktwertungen:

= schlichtweg herausragend

= empfehlenswert

= interessant

= zwiespältig

= ziemlich mau

= grausam



(Red.)