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Neu auf DVD - 31.05.2011

Zuhause bei der Unterschicht

Die Erstveröff entlichung vom Dokufilmlabel „b-there“ ist keine leichte Kost, gewährt sie doch einen völlig ungeschönten Einblick in das Leben von Menschen ganz unten auf der gesellschaftlichen Leiter. Seine Protagonisten, die er Monate lang mit der Kamera begleitete, fand Regisseur Reinke in der direkten Nachbarschaft in Berlin-Kreuzberg: Drei Männer teilen sich eine 54-m²-Wohnung, Hauptmieter ist der verkannte Poet und schwer alkoholabhängige (Johann) Wolfgang. Andi, der Jüngste des Trios, träumt von einer eigenen Bleibe. Hier haust er in einer bizarr anmutenden Situation nachts auf dem Boden im Bad der WG zwischen allerlei Gerümpel und Dreck. Und obwohl es fast täglich zu Streitereien mit dem launischen Wolfgang kommt, hält er es aus – nicht nur weil ihm als Junkie das Geld für die eigene Wohnung fehlt, sondern für ihn gilt: „Kein Mensch lebt gern alleine!“ Auch Dieter ist heroinabhängig, er muss bald für 100 Tage in den Knast, hofft bei aller Furcht vor dem kalten Entzug, dass er dort letztlich clean werden könnte – bis dahin setzt er sich aber mit einem Fixer, der ab und zu vorbeikommt, den nächsten Schuss.

Obgleich der sensible No-Budget-Film seinen Protagonisten extrem nah kommt – ihre tiefsten Gefühle wiedergibt, Verzweiflung ebenso wie eskalierende Streitereien über Stromrechnungen oder geklaute Klamotten zeigt –, ist hier erfreulicherweise kein Platz für Voyeurismus, dafür aber die Gelegenheit Mitgefühl zu entwickeln.

(Red.)