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| Buch - 21.11.2011 |
Lieber Matz, Dein Papa hat ´ne Meise
Wie erklärt man einem Kind, was Klapsmühle bedeutet, und erst recht wie, dass
der eigene Vater ebenda bis auf Weiteres sein muss? Als der damals 28-jährige
Theaterregisseur Sebastian Schlösser von heute auf morgen mit der Diagnose
manisch-depressiv aufgrund einer bipolar-affektiven Störung in einer
psychiatrischen Klinik landete, war sein Sohn anderthalb. In dieser Situation
begann der Patient Briefe an seinen „lieben Matz“ zu schreiben, schilderte
die Klinik als „Wolkenkuckucksheim“, seine Krankheit als eine Meise im Kopf
und erzählte von seinen Mitpatienten und den „Meisendoktoren“. Rührend,
ehrlich und mutig legt Schlösser in seinen rund 50, bei Ullstein unter dem
Titel "Lieber Matz, Dein Papa hat ´ne Meise" erschienenen Briefen tiefste
Gefühle offen. Die Versuche, seine Meise zu bezwingen, wirken dabei niemals
kitschig. Eine passende Ergänzung zu diesem Titel lieferte die 23-jährige
Nellie Bly im Jahr 1887 – ihre ganz anderen Berichte aus der Psychiatrie
erscheinen nun erstmals auf Deutsch im Aviva Verlag. Für einen Auftrag der
Tageszeitung „New York World“ ließ sich die junge Journalistin seinerzeit in
das berüchtigte städtische Blackwell‘s Island Insane Asylum einweisen, wo
Patientinnen landeten, deren Familien für ihre Unterbringung zuhause nicht
aufkommen konnten. Ihre Reportage „Zehn Tage im Irrenhaus“ bestätigt alle
grausigen Gerüchte aus der damaligen Zeit über desaströse Zustände und
Misshandlungen.
(Red.)