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Kulturtrüffel 2009 - 5. Kandidat

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Globalisierung positiv lesbar machen

Dazkarieh - der Name des Quintetts aus Lissabon klingt geheimnisvoll, doch er bedeutet gar nichts: “Es ist ein Kunstwort, das wir selbst kreiert haben...“, erzählt Vasco Ribeiro Casais, der die Band 1999 gegründet hat: „...es hat keine Bedeutung außer der, die wir ihm mit unserer Musik verleihen. Wie das Glas, aus dem du trinkst. Es ist nur ein Objekt und erlangt seine Wichtigkeit erst durch den Wein, der drin ist.“

Fado, werden Sie denken - doch weit gefehlt, aus Portugal kommen seit zehn Jahren auch wenn das hierzulande bisher viel zu wenige mitbekommen haben Musiker, die ganz andere vielfältige Traditionen der Musik ihres Landes als Ausgangspunkt für eine Reise in die weite Welt der Klänge nehmen, die alles von tiefster Melancholie bis hin zur sprudelnden Lebensfreude zu bieten hat. Dabei geht es den vier Musikern nach eigenem Bekunden nicht darum, Melodien und Rhythmen aus anderen Kulturkreisen in ihre eigene Kultur zu integrieren, sondern den Klang der für portugiesischen Folk außergewöhnlichen Instrumente - etwa der Bouzouki, halb Bass, halb portugiesische Gitarre, die Gaitas-de-foles, eine Art Dudelsack oder die 10-saitige Mandoline. zu nutzen. Auch Instrumenten aus der Ferne kommen zum Einsatz, darunter der schwedische Nyckelharpa - ergänzt wird das auf dem aktuellen, herausragenden Doppel-Album Hemisférios (im Vertrieb von Galileo MC) von Schlagzeug sowie Sanfona (Drehleier). Während auf der „A-Seite“ eigene Kompositionen zu hören sind, bietet die „B-Seite“ Arrangements traditioneller Stücke. Und auf beiden CDs glänzt die wahrlich aufregende Stimme von Sängerin Joana Negrão zu Klängen die teils mittelalterlich anmuten. Der keltische Dudelsack ist ohnehin immer dabei.

Aber nochmal: Kein Fado. Nirgends. Die Musik ihrer Stadt ist ihnen keineswegs fremd, sie holen sich ihre Inspirationen eher aus dem Umland. Doch genauso nah sind ihnen Überlieferungen aus anderen Weltgegenden. Sie interessieren sich zunächst für die dortigen Instrumente und bringen sie für den eigenen Dazkarieh-Sound zum Klingen. In ihren Liedern wächst zu einem harmonischen und stimmungsvollen Ganzen zusammen, was in den entferntesten Regionen unter Bedingen entstand, die gegensätzlicher kaum denkbar sind. Folk in Fusion, Weltmusik als Schmelztigel: Globalisierung kann auch positiv lesbar gemacht werden.

Unter dem Namen „Nu Portuguese Folk“ praktizieren Dazkarieh so ein spannendes kulturelles Experiment, das aber keinesfalls musikwissenschaftlich-verkopft daherkommt. Innovation und Suche nach neuen Sounds dürfen auch Spaß machen: Nach einem Besetzungswechsel wird ein Rockschlagzeug ihrer Musik noch mehr Druck verpassen, die Grenzen zum Rock´n Roll werden erst abgetastet und dann unbekümmert durchbrochen. Erlaubt ist, was gefällt - tanz die Tradition!

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PS: Unsere Vorstellungen der Trüffel-Aspiranten beruhen teils auf PR-Materialien ihrer Promoter.