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Wii-Special - 02.11.2009

Treten und Beißen und ein wenig Stechen

Mit FIFA 10 gehen Wii-Coaches bereits in ihre dritte Fußballsaison und werden sich gewaltig wundern, wenn sie nicht auf das Kleingedruckte achten, New U Fitness First Personal Trainer stellt seine Übungen in Menüs zusammen; in Spore Helden können sie sich ihr eigenes scharfzähniges, aber dennoch irgendwie liebenswertes Monster designen; Mini Ninjas befreien Dörfer von bösen Samurais; und in Dirt 2 kann man an Autorennen rund um den Globus fahren - fünf neue Spiele für Nintendos Vorzeigekonsole auf dem Prüfstand.

Das feucht-kalte Wetter sorgt wirklich nicht dafür, dass der innere Schweinehund leicht überwunden wird und man z. B. derzeit joggen geht, wenn man nicht ohnedies ein hart gesottener Outdoorsportler ist. Und da Fitness-Studios nicht unerhebliche Gebühren kosten und man sich vielleicht auch noch scheut, beim Keuchen auf dem Laufband abwertend beäugt zu werden, sind gerade auch für die Wii mittlerweile viele verschiede Titel erschienen, die Gelegenheitssportler in den eigenen vier Wänden zu etwas Bewegung motivieren wollen: Wii Fit, EA Sports Active oder Jillian Michaels um nur einige zu nennen. Dazu kommt jetzt New U - ein "Fitness First Personal Trainer" von Ubisoft. Für die Mischung aus Sportspiel, Ernährungs- und Fitnesstipps ist das Wii Balance Board nicht zwingend erforderlich, aber von Vorteil bei einigen der Übungen. Der Titel ist in puncto Bedienung und Auswahl sehr übersichtlich gestaltet und besticht mit einer guten Grafik. Am Anfang gilt es ein eigenes Profil zu erstellen, mit Angaben zu Alter, Geschlecht, Größe, und einer Einschätzung wie sportlich man ist. In "Mein Fortschritt" findet man die Daten wieder, allerdings nicht so übersichtlich wie bei Wii Fit, wo man das Gewicht kontrollieren kann. Zur Auswahl stehen vier Trainer: zwei Frauen, zwei Männer in Echtzeitvideos. Auch die Hintergründe sind "individuell" wählbar: Strand, Berge, Wiese oder etwa nüchterner: ein Fitnessraum. Bevor man aber mit dem Training beginnt, wird noch ein Haupt- und ein Nebenziel abgefragt, z. B. "Entspannung" und "Elastizität". Entsprechend werden die Übungen aus den Bereichen Yoga, Pilates oder Cardio festgelegt, die später - je nachdem wie schnell man welche Fortschritte aufweist - im Schwierigkeitsgrad steigen. Der Nachteil: die Workouts sind nicht frei wählbar und es wird nicht einmal eine Gesamtzeit angegeben, auf die man sich vorher einstellen kann. Umso überraschter wird man sein, wenn nach gut 10 Minuten das Tagesprogramm schon wieder vorbei ist. Und obwohl eher von kurzer Dauer - die Übungen zeigen ihre Wirkung! Und wer sich nur mal schnell ein klein wenig aufwärmen will, bevor es zur Arbeit geht, wird eine solche Trainingszeit vielleicht gar als Vorteil einstufen, wer indes eine ausgiebige Schwitzorgie hinlegen möchte fühlt sich hier nicht unbedingt motiviert sozusagen noch mal zu starten. Nach jeder Übung gibt es eine Bewertung und ggf. auch eine Belohnung mit virtuellen Medaillen. Weitere Aktivitäten wie Tanzen, Boxen oder Training für die Armee werden ergänzt mit erfreulich ausführlichen Ernährungstipps und Vorschlägen zum Kochen, die allerdings nicht frei wählbar sind. Zu den Rezeptvorschlägen, kann man sich eine Einkaufsliste anzeigen lassen und diese fleißig abschreiben. Die Fitnesstipps erklären zum Beispiel wie gesund Granatapfelsaft ist.

Vergleich man Colin McRae: DiRT 2 von Codemasters mit anderen Autorennspielen, schneidet der neue Titel definitiv schlecht ab: vor allem wegen der recht miesen Grafik. Man soll sich behaupten auf einer Welttournee in verschiedenen Renndisziplinen - es geht durch die Wüste, ins verschneite Finnland oder vor tausenden von Zuschauern auf abgesperrten, klassischen Parcours, aber auch vom Gameplay her eher mau zu; wie oft in solchen Spielen werden dann nach und nach neue Veranstaltungen, Fahrzeuge, Lackierungen sowie Schwierigkeitsgrade frei gespielt. Konkret warten im Action-Modus Einzelrennen, Meisterschaft - bei der man in fünf aufeinander folgenden Rennen Punkte sammelt - und Zeitfahren. Im Menu Herausforderungen soll man unter anderem möglichst viele und lange Sprünge absolvieren oder Slides hinlegen. Das ist dann halbwegs nett, unterm Strich aber wirkt alles aber irgendwie zusammengeschustert, recht billig irgendwie. Rennwägen lassen sich sowohl mit Wiimote und Nunchuk als auch mittels Controller in den diversen am Markt befindlichen Plastiklenkrädern dank Wiimote-Bewegungserkennung steuern. Der Hersteller preist das realistische Fahrgefühl, intuitive Handhabung und detailreichen Unfall-Darstellung - die Wahrheit sieht anders aus: Auch bei heftigen Kollisionen bleiben Autos fahrtüchtig. Überschlägt sich ein Wagen, steht er gleich wieder wie durch Zauberhand unversehrt auf der Rennstrecke, auch wer die Orientierung verliert erfährt unsichtbare Hilfe - das fördert nicht wirklich den Nervenkitzel.

Stellen Sie sich einmal einen runden Körper auf kräftigen Hühnerbeinen, ohne weitere Extremitäten vor. Der Body, der gleichzeitig das "Gesicht" ist, hat nur Augen. Aus einem Ei ist dieses Wesen geschlüpft, das ein blauer Meteorit auf die Erde gebracht hat. Zusammen mit diesen haben auch rote Meteoriten die Erde, die von fantasievollen Tieren bewohnt ist, bombardiert. Während die erstgenannten Himmelskörper zu Evolutionsschüben bei diesen Kreaturen führen - es wachsen Flügel, das runde Wesen, der Held der Geschichte, bekommt nach und nach Mund, Krallen, Hörner wie auch einen Schwanz verpasst -, verursachen die roten Abfälle Wut und Wahnsinn. SPORE Helden heißt das Spiel aus dem Haus von Electronic Arts GmbH, in dem man von einer Schlacht in die andere stürzt, und eben damit die neuen Körperteile und Spezialfähigkeiten freispielt. Die Grafik ist sehr ordentlich; alles ist farbenfroh und liebevoll gestaltet, so auch die Kreaturen, die der Fantasie keine Grenzen setzen. Umso verrückter die Schöpfungen,  desto besser: mehrere Beine, Augen, merkwürdigsten Körperformen - es gibt hier sehr viel zum Ausprobieren und zum Lachen. Mit Beißen, Schlagen, Bespucken, Ausweichen und sich verteidigen können Kämpfe bestanden werden. Aber es geht nicht nur um Schlagen und Treten, man kann auch miteinander sprechen und andere Kreaturen zum Tanzen, singen oder posieren bringen. Im Zwei-Spieler-Modus tritt man gegeneinander in kleinen Prügel-runden an. Ein recht lustiges Spiel - besonders für Kinder.

Als ob man sich als Fußballfan im realen Leben nicht schon genug ärgern muss: Die dritte Wii-Version des EA-Klassikers, nummeriert analog der realen Spielzeiten heißt sie FIFA 10, verdirbt einem - das kann an dieser Stelle vorweggenommen werden - fast jeden Spaß: darüber, dass sich die Entwickler für einen bunten Comic-Look entschieden, mögen manche noch streiten - wir finden es einen Rückschritt bei einem Game, dass stets so stolz war offizielle Spielernamen, Sponsoren, Trikots, Stadien und sogar originalgetreues Schuhwerk ins Spiel zu integrieren, dass es nun von vielleicht zwei Dutzend Weltstars abgesehen selbst bei seinem Lieblingsverein kaum noch einen Wiedererkennungswert in puncto Spielergesichter gibt. Aber richtig übel ist es, dass das Spielprinzp für die Wii-Plattform völlig aufgegeben wurde, vor allem bei Standart-situation. Hier ist kein Können mehr gefragt! Nicht mal mehr beim Elfmeterschießen gibt es - weder für den Torwart noch für den Schützen - irgendeine Möglichkeit sich eine Richtung auszusuchen. Ob hoch oder flach, ob mittig oder auf eine der Torecken - alles entscheidet die Engine ganz alleine! Auch bei Ecken und Freistößen soll nunmehr primär die Wii-Remote flugs geschüttelt werden, wenn eine Computerleiste ähnlich einer Ampel im Straßenverkehr auf Grün springt. Aber auch bei Schüssen aus dem Spiel heraus braucht man das Ziel nicht mehr groß mit dem Cursor fixieren. Fast jeder Schuss gerät hier so zum Treffer, auch aus rund vierzig Metern. Dazu kommt, dass kurz bevor der Ball sich der Torlinie nähert plötzlich automatisch auf Slow-Motion geschaltet wird und das Spielgerät zieht einen comichaften, weißen Schweif hinter sich her. Ebenfalls ätzend: man hat generell fast gar keine Einstell-möglichkeiten was Spieldauer oder Formation angeht. Was noch entschuldbar gewesen wäre in puncto Onlinemodus, nach dem Motto: Leute schaut her da stürzt jetzt nun viel weniger ab und vor allem bremsen wir die aus, die bisher mit miesen Tricks einen Abbruch provozieren konnten - insofern lässt sich auf Spielunterbrechungen zum Wechseln wirklich gern verzichten. Und in der Tat, es gibt kaum noch ungewollte Abbrüche, aber dass man dann in seinem Lieblingsverein auch vor Anpfiff nicht einmal einen Spielertausch oder auch nur einen Systemwechsel vornehmen darf, wäre auch ohne die aber eben noch weitaus ärgerliche Steuerung bei den Standards schon eine derbe Spaßbremse. So ist der einzige Pluspunkt den die 10er Version zur 9er bietet ohnedies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, zumal Tom Bayer und Sebastian Hellmann wieder von der Kommentatorenbank grüßen, gar noch mit mindestens 90% exakt unveränderten Sprüchen, die abermals teils völlig am Spiel vorbeilaufen.

Das Intro von Mini Ninjas (Koch Media) ist schlichtweg Klasse: Im Stil eines Scherenschnitttheaters wird die Vorgeschichte von einem bösen Kriegsherrn erzählt, der aus harmlosen Waldtieren und gefährlichen Samurai starke hirnlose Zombies mutieren lässt, die dann Dörfer überfallen, mit dem Ziel, die ganze Welt zu unterjochen. Das Spiel selbst ist grafisch dann aber leider auf niedrigerem Niveau angesiedelt. Weil das kindliche Setting jedoch schlüssig ist, die Bewegungsart der Figuren, die Hintergrundsmusik und Geräusche in Anbetracht der Story auch recht authentisch daherkommen, gibt man sich damit mehr als nur zufrieden. Hiro, der junge Ninja eigentlich noch in der Ausbildung, soll in den Krieg gegen die Dämonenarmee und ihrer Befehlshaber ziehen. Am Anfang alleine, nach und nach mit weiteren Gefährten, die er rufen kann, wenn ihre jeweiligen Stärken gefragt sind. Unterwegs sammelt er auch allerlei Gegenstände mit denen er z. B. Heilsäfte brauen lassen. An dieses frei gespielte Zeug kommt man allerdings nicht immer so einfach wie man möchte. Innerhalb des Vorratmenüs greift man zu oft ins Leere. Zum Kämpfen selbst wird aber ohnedies nicht viel benötigt: Nach einem beherzten Wii-Remote-Schütteln liegen die Gegner meist gleich auf dem Boden, lösen sich gefällig in Staubwolken auf oder verwandeln sich zurück in Tiere. Es fließt nicht wirklich Blut, ist also auch kinderzimmertauglich. Nett ist etwa auch die Fortbewegung auf dem Wasser, mittels hier bequemer Umschalttechnik packt Hiro seinen Hut aus, der ihm als Bootsschale dient.

Red.

Legende der Punktwertungen:

= schlichtweg herausragend

= empfehlenswert

= interessant

= zwiespältig

= ziemlich mau

= grausam



(Red.)