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| Neu im Kino - 20.10.2011 |
Dreiviertelmond
Taxifahrer Hartmut wurde gerade von seiner Frau verlassen. Nach gut drei
Jahrzehnten Ehe. Wie mit Veränderungen kommt der wortkarge Franke auch mit
Nachbarn und dem eigenen, längst erwachsenen Nachwuchs nicht wirklich
klar. Als er eine junge Mutter mit ihrer sechsjährigen Tochter vom Flughafen
in Nürnbergs City fährt, ahnt er nicht, dass das kleine Mädchen seinen Alltag
alsbald gehörig auf den Kopf stellen und verhindern wird, dass er sich noch
mehr in sich zurückzieht. Hayat ist in der Türkei aufgewachsen, spricht kein Wort Deutsch.
Sie soll nun ein paar Tage allein bei der Oma leben. Als Letztere einen
Schlaganfall erleidet und ins Krankenhaus kommt, gibt es keinen, der sich
dort um Hayat kümmert. Wie der Zufall spielt, wartet der latent grantige Hartmut ebenda auf
eine Fuhre. Und so stößt das kleine Mädchen auf den einzigen Menschen, den
sie außer ihrer Oma in dieser Stadt kennt: Sie weicht fortan nicht mehr von
des Taxlers Seite. Natürlich sehr zum Missfallen des 65-Jährigen, der mit
Fremden im Allgemeinen bisher nichts am Hut hatte.
Bereits in Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ überraschte Elmar Wepper,
den viele zuvor nur als „Serienonkel“ kannten („Polizeiinspektion 1“, „Unsere
schönsten Jahre“, „Zwei Münchner in Hamburg“ …), als ausgezeichneter
Charakterdarsteller. In Christian Züberts („Lammbock“) melancholischem und
doch teils aberwitzigem Streifen „Dreiviertelmond“ verleiht er der Hauptfigur
noch mehr Tiefgang. Die aufkeimende ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem
knorrigen Mann und einem dickköpfigen Mädchen fesselt aber nicht nur wegen
einer zweifachen Idealbesetzung – Mercan-Fatima Türköglu ist keinesfalls nur
drollig –, sondern auch dank einem herausragenden Drehbuch, einer tollen
Kameraleistung und nicht zuletzt dem fulminanten Spiel mit Begriffen à la
Nazi und Kopftuchmädchen.
(Red.)