Die Kunst, aufzuräumen
Wenn er nicht gerade mit Kollegin Sieger als Komikerduo unterwegs ist und
dafür einen Preis nach dem anderen einheimst, widmet sich Ursus Wehrli dem
Thema Aufräumen. Scheinbar von Ordnungssinn besessen, ist er dabei aber nicht
etwa nur in den eigenen vier Wänden zu Gange – er sortiert vielmehr
sprichwörtlich auf Schritt und Tritt nach Farben, Größen und Formen ... Ein
Wirrwarr von Sternen am Himmelszelt? Bei Wehrli sind sie in senkrechten
Linien aufgereiht und verlieren so jeden Anflug von Romantik. Aus einer Buchstabensuppe ordnet er die Nudeln
– natürlich alphabetisch. Auch mit der Unordnung im Sandkasten macht er
Schluss: Schaufeln, Gießkannen, Spielzeugbagger, Eimerchen und natürlich auch Förmchen kommen nur penibel aufgereiht ins finale Bild. Und selbst ein
geschmückter Tannenbaum wird feinsäuberlich in Zapfen, Holzanteil, Lametta
oder Kugeln zerlegt. Der bei Kein und Aber erscheinende Bildband „Die Kunst,
aufzuräumen“ zeigt im Zusammenspiel schlicht aberwitzig anmutende „Vorher/
Nachher“-Fotos. Teils wirken Wehrlis Einfälle auch ein wenig makaber, z.B.
wenn sich wunderschöne Koi-Fische zu Fischstäbchen in einer Plastikschüssel
verwandeln. Auch vor herumwuselnden Menschen kennt der Schweizer keinen Halt:
egal ob Schüler auf dem Schulhof, Schwimmbadbesucher oder Skifahrer. Sie
werden samt ihren Utensilien aufgeteilt und nach Reih und Glied ordentlich
platziert.
(Red.)