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Neu im Kino - 08.09.2011

Als Trödelliese gebrandmarkte Blondinen

Er geht zur Arbeit, sie soll die Besorgungen erledigen. Bevor sie die Wohnung verlässt, setzt sie bereits das Abendessen auf. Was die vom männlichen, extrem bissigen Offkommentator von Beginn an als Trödelliese gebrandmarkte Blondine nicht merkt: Der Wohnungsschlüssel bleibt liegen. Beim Einkauf gibt sie ohne nachzudenken Geld aus, sagt brav ja und amen, wenn die Verkäufer fragen, ob’s etwas mehr sein darf. Wieder zuhause angekommen, muss sie auf ihren frisch Angetrauten warten – die Tür geht ja nicht auf. Und so ist – bis der Mann von der Arbeit kommt – das Essen verbrannt … Die Inhalte der einer in Form eines alten Fernsehapparats gestalteten Sammelbox beigelegten, 350 Minuten umfassenden DVDs (je eine zu den Themenfeldern Schönheitspflege, Lebensmittel, Sauberkeit, Hausfrau und Geld) speisen sich nicht nur, wie der Titel „Werbefilm-Klassiker“ nahelegt, aus Reklame-Spots, sondern auch aus sogenannten Lehrfilmen. Wie aber eben auch zahllose Verkaufsfilmchen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre sind sie nicht nur vordergründig amüsant, sondern – weil mit Stereotypen gespickt und von jeweiliger Staatsideologie geprägt – auch ein ziemlich lehrreiches Zeitdokument.

Man mag gar nicht glauben, wie unverhohlen etwa Werbung aus der NS-Zeit schon vor Kriegsbeginn den Zuschauern einzuhämmern versuchte, dass es Verrat am Volke sei, Geld zuhause aufzubewahren. Wenig rühmlich dabei auch die Rolle der Sparkassen und Raiffeisenbanken.

(Red.)